16 ° / 13 ° Sprühregen

Navigation:
Der Himmel über Europa

Heinz Ratz und „Reykjavik“ Der Himmel über Europa

Proben im Lutterbeker: Heinz Ratz und „Reykjavik“, das neue Europa-Projekt von Strom & Wasser

Voriger Artikel
Langsamer Abschied von der Welt
Nächster Artikel
Von Kino, Kaba und Kiosken

Im Lutterbeker probt Heinz Ratz (l.) mit den Sängern Ragga Gröndal und Egill Ólafsson (vorn). Im Hintergrund Bassist Luca Seitz und Saxofonist Haukur Gröndal.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Luttebek. Haukur Gröndal lässt sein Saxofon flirren, seine Schwester, die isländische Sängerin Ragga Gröndal, probiert einige Lyrics aus, genauso wie Egill Ólafsson, und Heinz Ratz, Kopf der Band Strom & Wasser, wartet bei der Probe konzentriert auf seinen Einsatz. „Reykjavik“, das neue Doppelalbum, aufgenommen in Hamburg und Island, wird Freitag veröffentlicht, am Sonntag gibt es das Live-Konzert mit achtköpfiger Besetzung im Lutterbeker.

 

 Ihr schreibt im Booklet zu „Reykjavik“ es sei ein Projekt der „musikalischen Konversation europäischer Kulturen“, was meint Ihr damit?

 Heinz Ratz: Es gibt zwei Quellen für das neue Projekt: Aus Gesprächen mit Flüchtlingen weiß ich, dass sie Europa als abgeschotteten, elitären Kontinent wahrnehmen. Wir selbst sehen uns dagegen als humanitäre, hilfsbereite Völker. Die zweite Quelle ist unser Umgang mit Griechenland, es geht dabei nur noch um wirtschaftliche Werte, ums Geld. Wir wollen dagegen die europäische Werte als Reichtum der verschiedenen Kulturen zeigen.

 

 Soll es denn noch mehr Zusammenarbeiten geben als diese eine?

 Ja, die gemeinsame Arbeit mit den isländischen Musikern ist die erste von insgesamt zehn Stationen innerhalb Europas.

 

 Wie habt Ihr Euch kennengelernt?

 Ich bin nach Island gefahren, wegen der unglaublichen Landschaft und weil ich für den Beginn des Projekts ganz an den Rand Europas wollte. Dort bin ich viel in die Clubs gegangen. Den Kontakt zu Ragga hatte ich bereits durch einen Bekannten. Egill habe ich dann auf einem Blues-Festival angesprochen. Wichtig dabei war auch die Zusammenarbeit mit Gudmundur Pétursson, der ein bekannter Gitarrist in Island ist.

 

 Es gibt Passagen des Albums, die nach traditioneller Musik klingen, wie der Song „Pú Ert Sem Bláa Bómið“, in dem Ragga Gröndal singt, andere sind rockig, wie das wilde „Lavamädchen“. Es gibt chansoneske, auch jazzige Elemente. Hat jeder seinen eigenen Stil eingebracht?

 Egill Ólafsson: Wenn zwei verschiedene Musiker zusammen kommen und sich mit Respekt begegnen, dann kommt immer etwas Drittes, Neues dabei heraus. So war es auch hier. Es kommen verschieden Stile zusammen, aber nicht mit der erklärten Absicht, sondern weil wir alle verschiedene Kulturen in uns tragen, die wir widerspiegeln. Wir spiegeln den Himmel über Europa.

 Ragga Gröndal: Man kann immer so viel von einander lernen, wenn man als Musiker unterschiedliche Backgrounds hat. Das ist sehr aufregend.

 

 Wie habt Ihr die Zusammenarbeit praktisch bewältigt?

 Heinz Ratz: Es gab eine Session in Hamburg und zwei in Island. Wir haben intensiv in wenigen Tagen Songs geschrieben und aufgenommen. Mit Egill hatten wir eine starke männliche isländische Stimme, auch Ragga ist eine wunderbare Sängerin. Das war schon eine Herausforderung, auch gemeinsam zu singen.

 

 Wie schließt sich das neue Album an deine bisherige künstlerische Arbeit? Die war ja auch immer politisch.

 Heinz Ratz: Reibungslos. Ich bin selbst überrascht, wie poetisch das Album geworden ist, aber Island ist ja auch ein unglaublich poetisches Land. „Reykjavik“ ist die logische Konsequenz meiner vorigen musikalischen Arbeit mit Flüchtlingen. Künstler haben ja oft ein gutes Gespür. Für mich droht ein Zerfall der humanistische Werte in Europa, darauf wollen wir künstlerisch reagieren.

 Haukur Gröndal: Unsere Musik reflektiert die Idee der Verschiedenheit, die einen Weg findet, zusammenzufließen.

 Interview: Beate Jänicke

 

 Sonntag, 21 Uhr, Lutterbeker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3