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„Flucht“ in 360°

Mediendom und Schule für Schauspiel „Flucht“ in 360°

Stell Dir vor, es ist Krieg. Hier. Anlass zur Flucht. Nur weg – dahin, wo dieser Jahre Flüchtlinge herkommen. Ein kühnes Gedankenspiel, mit dem Janne Teller in ihrem Buch „Krieg“ die aktuellen Verhältnisse auf beklemmende Art umkehrt. Mediendom und Schule für Schauspiel haben auf dieser Basis das 360°-Theaterstück „Flucht“ konzipiert.

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Meldungen von Krisen und Krieg zwingen zur Flucht aus Kiel im Jahr 2030.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Ein brennendes Thema, ein spannendes, zum Glück rein fiktives Experiment: Bereits vor der Premiere waren alle bisher angesetzten Termine ausverkauft.

 Sehr engagiert und vielfältig bespielt in der Regie von Hanne Moll und Tina Wagner das achtköpfige Schauspielschul-Ensemble das Gerüst im Mittelpunkt des FH-Mediendoms, in dessen Kuppel die brisante, allgegenwärtige Thematik multimedial aufbereitet wird. Nicht reißerisch dramatisch geschieht das, hier ist immerhin von Aufruhr und Krieg in Kiel 2030 die Rede, sondern besonnen-hintergründig. Während der Surround-Ton schon mal raumgreifend Krisenstimmung verbreitet, aufrüttelt, geht es in der Kuppel-Illustration eher um Gedankenwelten und Stimmungen. Unvermutet wenig bewegt sind die Bilder, da kann es bei über 100 Minuten Spieldauer nicht einfach sein, Spannung zu halten. So sehr die reale Darstellung der Flucht-Stationen Keller, Bus, Unterschlupf, Boot und Lager rund ums Gerüst im wahrsten Sinne nahegeht, so sehr die Wechselbäder der Gefühle zwischen Kiel und Kairo berühren, so steril mag dagegen zeitweise die Projektion in der Kuppel wirken. Aber: Respekt vor der Präzision etwa der Schatten-Effekte.

 Das beachtenswerte Projekt ist mit hohem Anspruch verbunden, und allemal geeignet, neue Perspektiven zu entwickeln, Bewusstsein zu schärfen und zum Nachdenken anzuregen. Ob jenseits auf uns einstürzender Erkenntnisse freilich die virtuelle Kuppel entscheidend viel, mehr als ein klassisches (Video-)Bühnenbild, dazu beitragen kann, sei dahingestellt. Ohne die eindringlich-reife Leistung der acht Nachwuchsdarsteller schmälern zu wollen – man hat in der Angebotsvielfalt des Mediendoms visuell schon eindrucksvollere Produktionen erleben können. Doch der pädagogische Effekt für die Beteiligten wie für die Zuschauer ist bei alledem nicht zu unterschätzen.

 Info/Termine: www.flucht360.de; www.mediendom.de

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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