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Prominente Unterstützung für Böhmermann

#freeboehmi Prominente Unterstützung für Böhmermann

Der wegen seines Schmähgedichts über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan heftig kritisierte Satiriker Jan Böhmermann erhält Untersützung aus Schleswig-Holstein. Namhafte Künstler verteidigten am Montag den Satiriker – die Türkei sieht ein „Verbrechen gegen Menschlichkeit“.

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Satiriker Jan Böhmermann bekommt Unterstützung aus Schleswig-Holstein.

Quelle: Britta Pedersen/dpa

Kiel/Berlin. Währenddessen sprach der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus von einem „schweren Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

„Man muss Satire nicht gut finden, aber man muss sie tolerieren. Es zeichnet unseren Staat aus, dass wir eine Presse- und Meinungsfreiheit haben, um die uns viele beneiden. Dieses hohe Gut gilt es zu bewahren“, sagte die Kieler Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW). „Mir persönlich gefällt das Schmähgedicht auch nicht, aber darum geht es nicht. Es geht um die Frage, ob es sich in diesem Fall noch um Satire handelt. Dies muss geklärt werden.“ Kiels Theaterintendant Daniel Karasek wundert sich, dass die Satire-Zunft nicht gleich nachgelegt hat: „Die haben da ein bisschen versagt.“ Böhmermann sei ein Satiriker, der seinem Job nachgehe, so Karasek: „Und den hat er doch ziemlich gut gemacht.“ Jetzt Erdogans Ansinnen ernstzunehmen und über die Statthaftigkeit des Gedichts zu debattieren, sei „die glatte Selbstaufgabe“.

Kompromisslos zeigte sich der in Kiel lebende und aus der Türkei stammende Schriftsteller Feridun Zaimoglu. „Keinen Fußbreit der Zensur!“, sagte Zaimoglu. „Die Mächtigen verhöhnen und demütigen die Freiheit. Dabei suchen sie sich Einzelne, die sie nicht mit Lobpreis besingen.“ Böhmermann erscheint ihm als „Rächer derjenigen, die in den Knästen sitzen und Redeverbot haben“. Damit, dass das Gedicht hart unter die Gürtellinie ziele, hat Zaimoglu kein Problem: „Darum geht es ihm ja: um Polemik und Plumpheit.“ Die Kunst sei frei, erklärte der Kieler Komödianten-Direktor Markus Dentler: „Das steht so im Grundgesetz. Daran darf man nicht rütteln. Und ich begreife nicht, dass die Politik überhaupt darüber diskutiert.“ Zur Kunst gehört für den Theatermacher auch, dass sie sich keine Gedanken über politische Korrektheit machen muss: „Kunst soll auch aufregen.“

Das Gedicht sei eine Beleidigung aller 78 Millionen Türken, betonte dagegen Vize-Ministerpräsident Kurtulmus. Der Text habe „alle Grenzen der Schamlosigkeit übertroffen“. Die Bundesregierung prüfe nun den förmlichen Wunsch der Türkei nach Strafverfolgung, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er betonte, die Freiheit der Kunst und die Pressefreiheit seien für Kanzlerin Angela Merkel weder nach innen noch nach außen verhandelbar. Dies gelte unabhängig davon, ob sie etwas für geschmacklos halte und davon, dass die EU mit der Türkei in der Flüchtlingskrise zusammenarbeite.

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