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Manipulation auf Zelluloid

NS-Filme im Kino in der Pumpe Manipulation auf Zelluloid

Die Filmreihe "Kino der NS-Zeit" zeigt, wie die Nazis das Kino als Propaganda-Werkzeug instrumentalisierten.

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CAU-Studenten wählten sieben Filme für die Reihe aus und stellen sie jeweils in Kurzvorträgen vor.

Quelle: CAU

Kiel. Kiel. Das noch junge Medium Film war den nationalsozialistischen Machthabern teuer: Rund 1200 Filme entstanden in Deutschland zwischen 1933 und 1945, meist produziert von der Ufa, der 1942 auch die Konkurrenten Tobis, Terra, Bavaria-Film und Wien-Film einverleibt wurden. Sie waren fester Bestandteil der NS-Propagandamaschinerie unter Minister und Filmfan Joseph Goebbels.

 Von glühenden Bergdramen mit Luis Trenker und scheinbar unverdächtigem Operettenglück mit Zarah Leander und Marika Rökk bis zu Jud Süß und Hitlerjunge Quex reichte die Palette, in denen sich die nationalsozialistische Ideologie von subtil bis unverhohlen abbildete. Kein Wunder, dass die Alliierten nach dem Krieg erstmal etliche der Filme verboten. Auf insgesamt 46 der Streifen, die hauptsächlich in der Murnaustiftung lagern, klebt bis heute das Etikett „Vorbehaltsfilme“. Öffentlich gezeigt werden dürfen sie nur mit guten Gründen.

 Wie die Manipulation funktionierte, will jetzt die Filmreihe Propaganda – Kino der NS-Zeit vom 12. Januar bis 29. Februar im Kino in der Pumpe erklären. 26 Master-Studenten der Medienwissenschaften am Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien der Christian-Albrechts-Universität haben ein Semester lang über die Filmgeschichte des Dritten Reiches gearbeitet, das Projekt mit Dr. Eckhard Pabst, der auch das Kino in der Pumpe leitet, vorbereitet und dafür sieben exemplarische Filme ausgewählt. Den Anfang macht am 12. Januar mit Hitlerjunge Quex (1933) einer der frühesten und erfolgreichsten NS-Propagandafilme.

 „Wir wollen zeigen, wie die mediale Beeinflussung funktioniert hat“, sagt Nora Buse aus der Gruppe. Das kann offen antisemitische Propaganda in der Maske des 18. Jahrhunderts sein wie Veit Harlans Jud Süß (24. Januar) oder Fritz Hipplers mit dem Gestus des Dokumentarfilms verbrämte Der ewige Jude (20. Januar). Dramatisch der Rassismus im Burenkriegsdrama Ohm Krüger (26. Januar), pathetisch im Durchhaltefilm Kolberg (3. Februar), dem letzten und teuersten Propagandafilm (in Farbe!) der Nazis, oder subtil verklausuliert in Ich klage an (17. Januar), einer perfiden Rechtfertigung des Euthanasie-Programms. Und nicht minder tückisch Heimkehr (31. Januar), der rückblickend den Überfall auf Polen legitimieren sollte und den Nazis als „staatspolitisch besonders wertvoll“ erschien.

 „Interessant ist, dass einige der Filme handwerklich so gut gemacht sind, dass man sie ohne den Propaganda-Hintergrund womöglich mit Orson Welles‘ Citizen Kane in eine Reihe stellen könnte“, erklärt Marius Heyden die Verführungskraft. Und die Studenten sind sich einig, dass sich wohl jeder in dem ein oder anderen Moment im Kinoerlebnis verloren haben könnte, bevor die Mechanismen der Erkenntnis das Bild zurechtrücken. „Es ist uns wichtig, die Diskussion darüber am Laufen zu halten“, sagt Christina Srebalus. Und Eckhard Pabst ergänzt, wie wichtig es sei, die Filme „als Bestandteil eines größeren weltanschaulichen Gebildes zu erkennen, in dem es um nichts anderes ging, als die geistigen Voraussetzungen für Krieg und Verbrechen zu schaffen“.

 Dazu haben die Studenten ein ausführliches Begleitprogramm erarbeitet, sorgen mit knappen Einlassfilmen und Einführungsvorträgen für den Kontext und laden im Anschluss zum Gespräch. Auch mit Zeitzeugen haben die Studenten gesprochen, manchmal einfach die eigenen Großeltern befragt: „Und wenn wir Glück haben, ist der ein oder andere davon im Kino dabei.“

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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