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Terrorgruppe bringt die Jugend zurück

Pumpe in Kiel Terrorgruppe bringt die Jugend zurück

"Wir sind gekommen, um euch eure Jugend zurückzubringen.“ Nichts weniger verspricht Sänger und Gitarrist Archi „MC“ Motherfucker der Berliner Punk-Veteranen Terrorgruppe dem gut gefüllten Saal in der Kieler Pumpe, in dem schon früher am Freitagabend Bier in der Luft liegt.

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Ekstatisch eins mit dem Publikum: Terrorgruppe in der Kieler Pumpe.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Ebenfalls aus Berlin kommend, heizen Luise „Lulu“ Fuckface, Netja Triebeltäter und Kristeenager unter dem findigen Bandnamen The toten Crackhuren im Kofferraum samt Band und anrüchiger Attitüde dem Punk-Volk aus alt und jung ein. Mit Songs wie Ich Und Mein Pony oder Spass Muss Sein nehmen sich die Damen selbst nicht ernst.

Die Terrorgruppe steht dem in nichts nach, auch in Sachen Selbstironie. „Wir sind sehr alt“, gibt Gitarrist Johnny Bottrop zu bedenken und so spielt die Band alte Lieder. Die Meute lechzt danach und bejaht grölend. Beim zweiten Song Rumhängen sind sofort Chor, Pogo und Bierspritzer da. Bandklassiker Allein Gegen Alle holt alle Fans der ersten Stunde im von Bottrop ausgerufenen „Kieler Blutpogo“ genüsslich ab und die Band schwebt im siebten Power-Chords-Himmel.

Selbstironische Prise Fun-Pop-Punk

Dass die alten Songs immer noch ziehen, ist nicht verwunderlich. Doch wie sieht's mit den neuen aus? Mit dem aktuellen Album Tiergarten verbuchte die Band den ersten Longplayer-Chartserfolg nach turbulenter Bandgeschichte überhaupt. Meistens sind es kurzweilige Songs wie Immer Besser oder Schlechtmensch mit einer Prise Fun-Pop-Punk versehen. Terrorgruppe stehen nicht für überharten Punk. Trotzdem reißen sie mit, agieren dank Schlagzeuger Kid Katze, der den Laden mit viel Druck zusammenhält, wie ein Uhrwerk und mischen zur Freude des Publikums weiter munter Altes und Neues. Kathedralen stülpen sie einen Ska-Takt drüber, garniert mit griffigem Refrain. Es muss nicht alles pfeilschnell sein, was punkrockt. Von altersmilde kann aber keine Rede sein. Derbe Pöbeleien gehören genauso zum Programm wie eine schnurrige Anekdote über eine ehemalige Freundin von Bassist Zip Schlitzer.

Zuweilen kommen die Songs allerdings etwas einseitig daher, wirken dennoch wie Frontalangriffe auf alles, was nervt und setzen auch inhaltlich Tiefschläge. Terrorgruppe liefern ab, was die Masse braucht. Laut, schnell, bissig und wild toben Band und Pogo im biergetränkten Einklang.

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