20 ° / 13 ° Gewitter

Navigation:
„Improvisation ist meine Leidenschaft“

Puppenspieler Michael Hatzius „Improvisation ist meine Leidenschaft“

Nicht zuletzt die um keinen Macho-Spruch verlegenen Echse hat Puppenspieler Michael Hatzius bekannt gemacht und ihm schon etliche Preise eingebracht. Am Sonnabend gastiert der Berliner mit seinem aktuellen Programm „Echstasy“ in der Kieler Halle 400.

Voriger Artikel
Ein Panorama des Erwachsenwerdens
Nächster Artikel
Studnitzky schlug den Bogen vom Jazz zur Klassik

Foto: Michael Hatzius bringt seine Echse mit nach Kiel.

Quelle: Kulturbüro Hanau

Kiel. Michael Hatzius, Ihre Figur der Echse ist auf der Bühne unglaublich präsent. Wie haben Sie sie entwickelt?

Die Idee war, eine Figur zu schaffen, die für eine Woche ein Theaterfestival kommentieren sollte, ein alter Theaterkritiker, der alles schon tausendmal gesehen hat. Das hat sich über das Festival hinaus bewährt.

Sie haben an der Ernst Busch Hochschule Berlin Puppenspiel und Darstellendes Spiel studiert. Heute ist Puppenspiel für Erwachsene sehr beliebt. Als Sie anfingen, war das noch nicht abzusehen. Was hat Sie so fasziniert?

Es gibt schon seit Jahrzehnten ganz herausragendes Puppentheater, die breite Öffentlichkeit nimmt das bloß nicht so wahr. Als ich mit 15 Jahren, Mitte der 90er, an eine Jugendtheatergruppe in Berlin kam, die ein Puppentheater war, das richtig gute Sachen gemacht hat, hat mich die Faszination gepackt.

Was kann Puppenspiel, was Schauspiel nicht kann?

Die Puppe ist in der Lage, menschliche Verhaltensweisen noch viel komprimierter, allgemeingültiger und metaphorischer darzustellen, als der Mensch es kann. Der Mensch ist sowieso immer eine Person, er muss sowieso atmen, laufen, während die Puppe nur zum Zwecke der Aufführung da ist. Da hat jede Geste einen starken Ausdruck. Das andere ist, dass man mit den Ebenen spielen kann, mit der Ebene „tot und lebendig“, wer gibt wem und warum Leben, da kommen dann viele spielerische Möglichkeiten heraus.

Die Echse ist großmäulig, machohaft, eingebildet. Kann man mit ihr Dinge – als Spieler oder als Zuschauer - ausleben, die man sonst nicht darf?

Na ja, das ist ja mein Beruf, ich spiele mit den Puppen etwas mir Fremdes nach, es geht nicht darum, dass ich sonst nirgendwo etwas sagen darf. Es geht darum, in verschiedene Rollen zu schlüpfen.

Verstehe, aber liegt der Erfolg der Echse beim Publikum vielleicht auch darin begründet, dass sie etwas sagt, was man normalerweise nicht sagt?

Ich kann mir schon vorstellen, dass diese Spielvereinbarung, die so eine Puppe mit sich bringt, eine bestimmte Anarchie, den Menschen viel Freude macht. Gleichzeitig ist das Potenzial einer wirklichen Verletzung gering, weil es sich ja augenscheinlich um ein Spiel handelt.

Sie haben auch noch andere Figuren, wie das melancholische Huhn mit dem Gacker-Fehler. Nervt es manchmal, dass die Leute alle nur auf die Echse gucken?

Das machen nur die Leute, die nur die Echse kennen. Ich freue mich immer total, wenn die Menschen den ganzen Abend ansehen und die anderen Charaktere manchmal sogar noch mehr ins Herz schließen.

Fängt eine Figur irgendwann an, eine Art Eigenleben zu führen?

Ja. In dem Moment, in dem ich richtig im Spielfluss drin bin, entstehen die Dinge scheinbar wie von selbst. Mein Gehirn muss sie nur zulassen. Oft folgt jetzt die Frage: Wenn Sie die Echse weglegen, sind Sie dann immer noch die Echse? Da muss ich ganz klar sagen: Nein, es hat keine psychotischen Ausmaße.

Die Echse scheint immerzu auf Gelegenheiten zu warten, mit dem Publikum in Kontakt zu treten. Ist Improvisation für Sie die Königsdisziplin?

Es ist auf jeden Fall meine große Leidenschaft. Mein Bestreben ist es, eine größtmögliche Präsenz im Moment zu stiften, Spielimpulse in dieser Sekunde aufzugreifen. Aber im Wort Königs-Disziplin steckt mir zu viel Disziplin drin, ich würde es Königs-Freude nennen.

Termin: Gastspiel in Kiel am Sonnabend, 20 Uhr, Halle 400

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3