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Comic-Projekt: In die Zukunft gezeichnet

„Pure Fruit“ stellt in der Kunsthalle aus Comic-Projekt: In die Zukunft gezeichnet

Man könnte das als Ritterschlag bezeichnen, sagt Tim Eckhorst, neben Volker Sponholz, Franziska Ludwig und Gregor Hinz einer der vier Zeichner, die im Kieler Comic-Centrum „die neunte Kunst“ nach vorne bringen. Nicht zuletzt wenn sie jetzt „in einem klassischen Kunsttempel“ wie der Kieler Kunsthalle im Rahmen deren Ausstellung playing future eine Wand, 30 mal vier Meter, mit ihrer Comic-Kunst füllen.

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Die Pure-Fruit-Zeichner bemalen in der Kunstwerft der Kunsthalle eine Wand (v.l.): Volker Sponholz, Franziska Ludwig, Gregor Hinz und Tim Eckhorst bilden die aktive „Pure Fruit“-Gruppe mit Kunstanspruch.

Quelle: KN

Kiel. So groß haben bisher nur Graffiti-Künstler gezeichnet, jetzt ist das Teil des Kunstbetriebs und weist zugleich ungemein spielerisch über den hinaus auf dessen Zukunft.

 „Dass die Kunsthalle auf uns zuging“, sagt Eckhorst, sei „schon ein kleines Wunder“. Denn Comic gilt vielen immer noch als bloßes „Scribbeln“ mit dem Stift, der dennoch so oft mitten ins Herz seiner Charaktere und Leser trifft, wie seit mehreren Jahren im kostenlos verteilten Kieler Comic-Magazin Pure Fruit zu bestaunen. Dass dessen neunte Ausgabe sich mit der „neunten Kunst“ (eine Muse dafür muss noch benannt, besser: gezeichnet werden) am 9. Mai trifft, ist eine passende Koinzidenz.

Der 9. Mai ist nämlich der alljährliche Gratis-Comic-Day, wo Verlage die vielseitige Comic- und Graphic-Novel-Kunst präsentieren – heuer im Kieler Comic-Laden „Fantasyreich“. Und er ist Start einer wohl bundesweit einzigartigen Live-Zeichnen-Aktion: In der Kunstwerft der Kunsthalle bezeichnet die Pure-Fruit-Crew ab Sonnabend und den folgenden Tagen eine breite weiße Wand, Teil des Ausstellungsprojekts playing future.

 Solche zeichnerische Zukunft ist auch Motto des neunten Bandes von Pure Fruit, an dem neben den vier Kielern weitere zehn Zeichner teilnahmen. Das Thema „Zukunft“ erscheint darin in mehreren Facetten: als Utopie wie als Dystopie. „Wie leben wir in der Zukunft, die aus der Gegenwart geboren wird?“, fragten sich die Zeichner und entwarfen Szenarien und Stories, die vom Gestern ins Morgen verweisen. In einer ärgert sich „Mr. Fox“, dass er die Atombombe immer noch nicht einsetzen darf, in einer anderen sind die Marsmenschen so öko-grün, wie wir sie uns immer vorstellten. „Ein recht buntes Heft“ sei so entstanden, feixt Eckhorst.

 In einem Comic-Battle – ähnlich Poetry Slam oder Impro-Theater – wird das auf den Zeichenpunkt gebracht. Der Kieler Zeichner Kamimatze verteidigt dabei seinen mehrfachen Titel. „Wir genießen in der Kunsthalle eine Art Narrenfreiheit“, freut sich Eckhorst, denn was beim Live-Zeichnen auf der großen Leinwand in der Kunstwerft oder beim Battle auf die Live-Leinwand projiziert herauskommt, ist improvisatorisch noch nicht ausgemacht. Wohl aber, dass hier der Comic Teile seiner Zukunft entwirft, dass das freie, satirische, humoristische, aber auch ganz ernste Zeichnen mitten im klassischen Kunstraum fröhlichste und ebenso widerständigste Urständ’ feiert.

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