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Kleine Botschaften für große Momente

Purple Schulz im Savoy Kleine Botschaften für große Momente

Sein Name sorgt trotz der Tatsache, dass Hits für ihn zuletzt etliche Jahre ausgeblieben sind, für gut besuchte Konzerte: Wer Purple Schulz im Bordesholmer Savoy erlebt, dürfte wohl Nostalgiker sein, der sie wieder hören will, die Klassiker des Kölners. Wobei er es nicht bloß bei diesen Songs belässt, sondern auch anspruchsvolle Balladen genau wie unbekanntere Titel in sein Programm einbaut.

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Purple Schulz gab sich nicht nur ernst, sondern als Kölner auch karnevalistisch heiter.

Quelle: Dieter Hanisch

Bordesholm. Assistiert wird der 58-Jährige dabei vom Gitarristen Andreas Dorn, den alle nur unter dem Namen Schrader kennen. Er hat sich bereits Lorbeeren in der Band von Guildo Horn verdient. Schulz samt Partner haben von Beginn an das Publikum auf ihrer Seite, denn es klatscht und singt bereits beim Eröffnungsstück Ich hab Feuer gemacht mit – ein Plädoyer für Visionen, Träume und den Mut zum Verrücktsein. Im Laufe des Sets wird es dann zunehmend ernster, etwa wenn Schulz mit Fragezeichen einen Titel vorträgt, der sich um die Demenzerkrankung dreht. Das Schicksal seines Vaters hat ihn zu dem Song inspiriert. Nicht mit Zeigefinger oder Wehklagen geht der Künstler das Thema an, sondern mit Verständnis – ein mutiges Bekenntnis zu einem Phänomen, das in unserer Gesellschaft immer noch weitgehend tabuisiert ist. Im Verlauf des Abends sind die meist an den Keyboards vorgetragenen Stücke immer wieder Anschub zum Grübeln und Nachdenken, etwa wenn Purple Schulz vom Abschiednehmen singt oder das Älterwerden in den Fokus rückt. Somit bleibt es nicht nur ein Konzert mit seinen Pop-Erfolgen oder romantischen Kuschelsongs wie Verliebte Jungs, Du hast mir gerade noch gefehlt bzw. Kleine Seen und natürlich Sehnsucht.

 Und damit der Draht zum Publikum stimmt, ist die Komponente Kurzweil ein wichtiger Showfaktor. Dafür wird Schulz – oft im Dialog mit Schrader – dann zum Comedian, der sogar kabarettistisch Angela Merkel, den Grünen und dem Thema Abhöraffäre eine Breitseite verpasst, der aber auch durch Wechseln seines Outfits Vegetarier und vegane Szene parodiert (Aufschnitt nehmen) oder anspielend auf seine rheinische Heimat den Karneval ein wenig schelmisch parodiert (Brauchtum). Die beiden Zugaben schalten auf der Konzert-Zielgeraden aber wieder auf einen besinnlichen Modus und unterstreichen, dass die kleinen Botschaften des Kölners solch große Momente erzeugen können – ob nun in Gedenken an seinen Freund, den verstorbenen Bestatter Fritz Roth (Der letzte Koffer) oder bei der Liebeshymne Immer nur leben. Während des Auftritts hat Purple Schulz verraten, dass es nächstes Jahr wieder ein neues Album geben soll. Mit Das ist nicht fair hat Bordesholm bereits eine Kostprobe davon bekommen.

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