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An der Wiege des Tangos

Quadro Nuevo in der Traum GmbH An der Wiege des Tangos

Ein Quartett mit 20 Jahren Bandgeschichte darf zu Recht als Institution gelten und auch an lauen Sommerabenden auf sein Stammpublikum zählen. So sind die Reihen in der Traum GmbH am Donnerstagabend zum Konzert von Quadro Nuevo gut gefüllt

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Unterhaltsam und abwechlungsreich: (von links) Chris Gall, Andreas Hinterseher, Mulo Francel und D. D. Lowka.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Und die schwüle Atmosphäre im großen Saal mit seinen vielen dunklen Ecken und patinierten Hängeleuchtern passt sogar sehr gut zum Ausgangspunkt des Konzertprogramms. Eine Reise nach Buenos Aires hat das seit jeher dem Tango nahestehende Ensemble dazu animiert, das Genre auf seiner aktuellen CD ganz in den Mittelpunkt zu rücken und dafür die weltmusikalischen Anteile seiner Musik zu reduzieren.

 „Seit diesem Aufenthalt spielen wir Tango anders“, bekennt Saxofonist Mulo Francel, der der Musik mit seinem Instrument während des Konzerts trotzdem kontinuierlich Jazz-Feeling verleiht. Doch bei der Adaption ihrer tönenden Schätze würden die Argentinier den Europäern ohnehin alle Freiheiten zugestehen, weiß die Band nun aus erster Hand. Nur in einem Punkt verstünden sie keinen Spaß: Das Akkordeon sei tabu, weshalb sich Andreas Hinterseher an diesem Abend tatsächlich fast ganz auf das Bandoneon konzentriert.

 Auch bei der Stückauswahl dominiert Authentisches: Carlos Gardels Klassiker Por Una Cabeza wirkt in der Version von Quadro Nuevo nostalgisch und modern zugleich und gewinnt durch Frankels Tenorsaxofon an Lichtstärke und Intensität. Der warme Sound des Bläsers, der entfernt an Jazzgrößen wie Stan Getz und Illinois Jacquet erinnert, nimmt dem Stück dabei seine Schärfe. Auch der tangotypische Fatalismus wird bei Quadro Nuevo zur Nebensache und die ebenso ausgiebigen wie launigen Moderationen der Bandmitglieder tragen das ihre dazu bei, dass sich ihre Reise zur Wiege des des Tangos insbesondere durch ihren Unterhaltungswert auszeichnet.

 Für Abwechslung sorgt das Mikrogeschehen innerhalb der Songs: Immer wieder verwandelt sich das Quartett in ein Duo, wechselt Francel vom Saxofon zur Klarinette, während D.D. Lowka seinen Kontrabass auch als Percussion-Instrument einsetzt. Effektvoll überschreitet bei alledem Chris Gall am Klavier auch mal die Grenze von Argentinien in andere Länder Lateinamerikas.

 So hat man seinen Spaß, wenn Quadro Nuevo hier durch dynamische Eigenkompositionen wie den Buenos Aires Taxi Drive rasen und wenig später unerschrocken Astor Piazzollas Fuga Y Misterio in ihre Einzelteile zerlegen. Viel Abwechslung auch in der zweiten Konzerthälfte: Mulo Francel beweist beeindruckende Ausdauer in der Spezialdisziplin Zirkularatmung, Chris Gall und D.D. Lowka inszenieren im Halbdunkel intime Dialoge zwischen Klavier und Kontrabass und Andreas Hinterseher schnallt sich im Finale dann doch einmal das Akkordeon um. Die Argentinier dürften es ihm verzeihen. Und der Applaus des Kieler Publikums kennt ohnehin keine Grenzen.

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