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Weltmeister am Instrument

Goitse im Kulturforum Weltmeister am Instrument

Es leuchtet ein neuer Stern am Irish-Folk-Himmel, eigentlich sind es derer sogar fünf: Goitse heißt das preisgekrönte junge Quintett, das auch im Kieler Kulturforum für ein volles Haus und begeisterte Zuschauer sorgte.

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Offen für fremde musikalische Einflüsse: Goitse, hier mit (v.li.) Colem Phelan, Tadhg Ó Meachair, Áine Mc Geeney mit rosenumrankter Lichterkette am Mikrofonständer und James Harvey.

Quelle: kpb:KAI-PETER BOYSEN

Kiel. Mit warmen Worten und einer Mischung aus Englisch und Deutsch begrüßt Bodhrán-Spieler Colm Phelan die Zuschauer „hier in the heart of the Flammkuchen“, von dem die Band einige verzehrt habe. Derart gestärkt geht’s mit Odds vom aktuellen Album Inspired By Chance los. Hier erkennt man bereits den modernen Ansatz der fünf jungen Musiker, verschiedene Einflüsse in die traditionellen Klänge einfließen zu lassen. Mit wuchtigem Akustikgitarrenanschlag legt der einzige Nicht-Ire Conal O’Kane aus dem amerikanischen Philadelphia los, Áine Mc Geeney legt zum Bodhránrhythmus eine verhaltene Tanzmelodie darüber, dann puckert sich Banjospieler James Harvey in ihr Spiel hinein. Schließlich nimmt auch Tadhg Ó Meachair am Akkordeon die Melodie auf. So weit, so traditionell, doch dann folgt ein Tempowechsel und es mischen sich Countryelemente dazu, außerdem lösen sich die gespielten Tonleitern vom gewohnten Muster. Am Ende erhält der Song durch die Gitarrenakkorde etwas Popsonghaftes, ohne dass die melancholische Grundstimmung aufgehoben wird.

 Die Anmoderationen wechseln zwischen Colm Phelan, Tadhg Ó Meachair und Áine Mc Geeney, die bei dem auf Gälisch gesungenen An Bonnán Bui erstmals ihren zauberhaften Sopran zu Gehör bringt. Wie jeder gute Folksong hat auch dieser eine Geschichte, hier vergleicht sich ein dem Alkohol zugewandter Mann mit An Bonnan Bui, einem gelben Vogel, den er erfroren an einem See auffindet.

 Dann vielleicht doch lieber My Belfast Love, das ein wenig an Cindi Laupers Version von True Colors erinnert. Nicht nur bei letzterem Song klingt Colem Phelans Bodhránspiel phänomenal und ersetzt ein ganzes Schlagzeug. Gut, der Mann war der erste Weltmeister auf dem Instrument und mal abgesehen von Sinn und Unsinn einer Musik-Weltmeisterschaft zündet er bei seinem späteren Solo ein Rhythmus-Feuerwerk auf der gesamten klanglichen Bandbreite der irischen Rahmentrommel.

 Ebenfalls hoch virtuos und mit allen Wassern des Banjopickings gewaschen ist James Harvey, der bereits viermal Weltmeister an seinem Instrument wurde. Die vier Iren trafen an der Hochschule im irischen Limerick ihren amerikanischen Gitarristen und gründeten dort 2009 Goitse, 2015 wurden sie in Irland bei den Live Ireland Music Awards zur „trad group of the year“ und in den USA bei den Chicago Irish American News Awards zur „Group of the year“ gekürt. Sie klingen sehr frisch und modern, ohne die traditionellen Pfade zu verlassen, weil sie bekannte Reels mit eigenen Kompositionen mischen. Das kann dann schon mal fernöstlich anklingen wie in Serendipity oder pianoklassich-funky-irisch in der Eigenkomposition Houdini.

 Musikalisches Niveau und Stimmungslevel bleiben bis zum langen Schlussapplaus konsequent hoch. Goitse, gesprochen gwitscha, heißt auf Deutsch „Komm her“ – und gekommen sind viele. Bestimmt kommen sie auch ein zweites Mal.

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