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Dornen und Parfüm

Rachmaninowchor Kiel Dornen und Parfüm

Mit Vasks zugleich gefährlich und genüsslich flirrenden Streicherstimmen in "Balsis" beginnt Gunther Strothmann ein besonders stimmiges vorösterliches Konzertprojekt, in dem es viel zu entdecken gibt.

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Der Dirigent Gunther Strothmann mit dem Bariton Sebastian Noack.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Die anspruchsvolle Streichersinfonie, die das Klassikensemble Kiel im Chor der gut besuchten Nikolaikirche aufführt, bespiegelt die dornigen Passionsjahre der baltischen Staaten, als sowjetische Panzer der Freiheit noch keine Auferstehung zubilligen wollten.

César Francks Einbindung der Sieben Worte Jesu am Kreuz in ein kleines lateinisches Passionsoratorium hat vom Prolog an, den Anne-Beke Sontag anrührend innig, aber auch eindringlich klagend singt, seinen ganz besonderen Reiz. Das reiche Pariser Parfüm der Partitur wird nur allzu deutsch denkenden Musikphilistern kitschig erscheinen.

Der Tenor Mirko Ludwig frappiert – bis hinauf zum hohen „C“ – mit gekonnt im französischen Stil eingesetzter „Voix mixte“. Und der Rachmaninowchor Kiel beweist seine im osteuropäischen Repertoire geschulte Fähigkeit, Vokalfarben auszukosten und weite Bögen zu spannen. Die Entscheidung, Francks Latein gänzlich französisch einzufärben, überzeugt im Lavastrom der Töne restlos.

Da kommt den Sängern das Deutsch in Mendelssohns Choralkantate O Haupt voll Blut und Wunden wohl (zu) einfach vor. Doch ist die fehlende Sprachmächtigkeit neben ein paar kleinen Intonationstrübungen auch schon die einzige Einschränkung.

Von Christian Strehk

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