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Aus den Hütten der Komik

Ralf Schmitz im Kieler Schloss Aus den Hütten der Komik

Aus dem Häuschen heißt nicht nur das neue Programm, mit dem der Standup-Comedian Ralf Schmitz nach einem Jahr am Sonnabend auch ins ausverkaufte Kieler Schloss kam, selbiges war auch aus dem sprichwörtlich solchen. Auch wenn Schmitz' Humorhütten oftmals nicht allzu tiefe Keller hatten.

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Der Comedian Ralf Schmitz war zu Gast im Kieler Schloss.

Quelle: Uwe Zucchi/dpa

Kiel. Dass Schmitz’ Humor recht harmlos ist, eher aus den Hütten als den Palästen der Komik, tat der Begeisterung dabei keinen Abbruch, bedingte sie vielleicht sogar. Denn so ruhelos Schmitz über die Bühne hastet, so atemlos flink er durch seine Pointen pardauzt, immer wieder selbst über sie kichernd, ist auch sein Programm kein festgemauertes Haus, sondern – um im Bild zu bleiben – eine ständig sich verändernde, ewige Baustelle. Sein dabei freilich beachtliches Standup-Handwerk hat das wohl beste Beispiel für eine „rheinische Frohnatur“ im Improtheater gelernt – weshalb man vor keiner Überraschung sicher ist, besonders in den vorderen Reihen.

 Frei von jeder Hemmung klaubt sich Schmitz daraus seine Protagonisten. Zum Beispiel Lisa, die ihm gut 20 Minuten als Sidekick im hellen Rampenlicht dient. Sie macht dabei eine ganz gute Figur, wenn nicht weniger als drei Mal der selbe Sketch in unterschiedlichen Versionen gespielt wird. Ralf und Lisa, die norddeutsch schlagfertige Verkäuferin mimend, im Baumarkt: Ralf mal als besoffener, dann als schäumend wütender und schließlich als strunzgeiler Kunde, der Lisa „mit dem Lochbohrer an die Dämmplatten“ will. Solche Gemütslagen stellt Schmitz wie im Improtheater üblich auf Zuruf aus dem Publikum dar – allerdings sehr voraussehbar.

 So haben seine ad hoc zusammengezimmerten Humorhütten manche allzu tiefen Keller und vor allem lange Flure ohne viel Licht am Ende des Pointen-Tunnels. Und auch wenn mal nicht mit dem Publikum gescherzt und geschäkert wird, etwa bei der umfassenden Vorführung, wozu man einen Akku-Schrauber in Küche und Klo sonst noch so verwenden kann, fragt man sich spätestens nach zehn Minuten, ob Schmitz nicht mal das Heimwerkzeug des Humors wechseln könnte.

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