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Mit dem Geist von Genesis

Ray Wilson in der Kieler Pumpe Mit dem Geist von Genesis

Sänger von Genesis war er nur für zwei Jahre, doch dass er den gesamten Genesis-Spirit in sich aufgesogen hat, bewies Ray Wilson in seinem sehr abwechslungsreichen „Genesis Classic“- Konzert in der Pumpe, in dem er auch die eigene Solokarriere entsprechend würdigte.

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Sänger Ray Wilson (links Alicja Chrzaszcz, rechts Marcin Kajper) trat in der Pumpe in Kiel auf.

Quelle: Boysen

Kiel. Die Pumpe ist anständig gefüllt, als der Schotte mir Wohnsitz Polen zusammen mit seinem sechsköpfigen Ensemble die Bühne betritt. Mit dem Genesis-Hit That`s All beginnt er sein Konzert ganz gefällig, mit Another Day In Paradise schließt sich ein weiter Song an, der ursprünglich von Phil Collins gesungen wurde. Spannender wird`s da schon bei „Another Day“, einem Song aus eigener Feder, den er für den Bassisten seiner ersten Band geschrieben hat, nachdem sich dieser das Leben genommen hatte. Hier, aber auch bei späteren Wilson-Songs wie „Lemon Yellow Sun“ oder dem vielschichtigen, wundervollen „The Actor“ scheint Wilson ganz bei sich und kreiert die oft zitierten Gänsehautmomente.

Sehr gespannt ist man auch bei Carpet Crawlers, einem Song aus der progressiven, frühen Genesis-Zeit mit Peter Gabriel als charismatischem Frontmann. Für Genesis-Puristen ohnehin die wahre Lehre, zeigt sich Ray Wilson auch dem gewachsen, setzt stimmlich etwas tiefer in der Kehle an und verblüfft mit echtem Gabriel-Feeling. Da verwundert es nicht, dass der Ex-Genesis-Gitarrist Steve Hackett bei einigen Konzerten den Schotten als Sänger solcher Klassiker ausgewählt hat.

Hier werkelt nicht irgendeine Coverband herum, sondern Wilson ist ein richtig guter Interpret, auch wenn „No Son Of Mine“ etwas zu opulent gerät. So richtig akustisch ist das nicht, denn Pianist Darek Tarczewski legt durchaus fette Keyboardflächen unter die Komposition. Süßlich gesättigt wird der Sound durch die Violinen von Alicja Chrzaszcz und Barabara Szelagiewicz, die sich zudem ein brillantes Vivaldi-Duell liefern und mit Genesis-Instrumentals wie „Blood On The Rooftops“ weitere klassische Momente bereiten. Auch der Bassist und vor allem Saxofonist Marcin Kajper sticht solistisch und im Duett mit Pianist Tarczewski des Öfteren hervor. Das Publikum ist altersgemäß euphorisch, wiegt sich im Rhythmus und Paare tauschen erinnerungsvolle Blicke aus.

Mit dem rhythmisch schwingenden Congo, der puren Ballade Shipwrecked und dem melancholischen Not About Us, das tief unter die Haut geht, sind drei Songs des Albums Calling All Stations vertreten, das Wilson 1997 mit Genesis eingesungen hat.

Natürlich ist auch Inside dabei, der Welthit, den der Sänger mit seiner Band Stiltskin hatte, bevor ihn dann die Herren Rutherford und Banks nach dem Abgang von Phil Collins zu Genesis holten. Ihre Beweggründe sind bei diesem Konzert gut nachzuvollziehen, Ray Wilson ist ein vielseitiger Sänger mit prägnanter Stimme, die abschließend beim Genesis-Song Ripples von 1976 ein letztes Mal beeindruckt.

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