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Von Kombinationen und Assoziationen

René Schoemakers in der Sparkassenstiftung Von Kombinationen und Assoziationen

Mit seinen 44 Jahren hat René Schoemakers schon eine ganze Menge geschafft. Der Vater von fünf Kindern, die wie seine Frau immer wieder willkommene Modelle für seine Gemälde und Zeichnungen abgeben, ist seit seinem Diplom an der Muthesius Kunsthochschule 1998 künstlerisch so produktiv, dass sich eine Rückschau auf die letzten zwei Jahrzehnte lohnt.

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René Schoemakers mit akribischem Selbstbildnis.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Die Sparkassenstiftung hat sich diesem Projekt angenommen. Die Schau Zellstoff. Arbeiten auf Papier konzentriert sich auf das zeichnerische Werk des Künstlers, der neben zahlreichen Auszeichnungen 2011 den Lucas-Cranach-Preis erhielt, für den er bereits gleich nach Studienabschluss nominiert war. Von den insgesamt 42 Arbeiten, darunter auch zwei großformatige Gemälde, sind die Mehrzahl Kugelschreiberzeichnungen auf weißem Papier, entstanden in den letzten 18 Jahren. In den seltensten Fällen handelt es sich dabei um Vorstudien zu Gemälden. „Die Zeichnungen laufen eher begleitend “, erzählt er, „manchmal auch, um ein Thema weiter durchzuspielen.“ Handwerklich hat Schoemakers sich dem mit altmeisterlicher Akkuratesse umgesetzten Realismus verschrieben. In seinen Porträts ist jedes noch so feine Haar am rechten Platz, die Dinge des Alltags scheinen so real, dass man sie greifen könnte. Doch darin erschöpft sich seine Kunst keineswegs. Der Witz von Schoemakers Kompositionen liegt in der Bildidee, dem Arrangement, das oft zeichenhaft verschlüsselt bleibt. So stellt er Motive aus der Kunstgeschichte in völlig neue Kontexte, darunter Totenschädel, die ihr Pendant in einem Kopf aus bunten Legosteinen finden. „Durch die Kombination öffnen sich Räume für Assoziationen“, sagt Schoemakers. Das gilt auch für die Serie „Weltinventur – Reste“, unter denen willkürlich zusammengesuchte Satzschnipsel aus dem Notizbuch des Kieler Lyrikers Arne Rautenberg zu lesen sind.

 In jüngster Zeit beschäftigt den gebürtigen Nordrhein-Westfalen eine ungewöhnliche Form des Vanitas-Gedankens: In einem aktuellen Zyklus sieht man eine Frau, die einen Skelett-Anzug über die nackte Haut streift, woanders ist eine zeichnende Hand mit einem Handschuh im Knochen-Design bekleidet, ein Kind ist nahezu komplett in dem gruseligen Kostüm verschwunden. „Von diesem Kostüm ist der Weg kurz zur Ikonographie der Kunstgeschichte und man ist schnell bei Motiven wie dem Totentanz“, sagt Künstler, im Brotberuf Gymnasiallehrer für Kunst und Philosophie. Letztere ist aus seinem Werk, das er als „sinnliche Konzeptkunst“ beschreibt, nicht wegzudenken – auch wenn sie sich bisweilen gut versteckt.

 Faluner Weg 6. Bis 4. November. Mo - Do 9 bis 16, Fr 9 bis 14 Uhr. Zur Ausstellung erscheint das 37. Heft der Reihe Ars Borealis.

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