27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Ein Zyklus, der von Qualen und Trost erzählt

Richard Grune Ein Zyklus, der von Qualen und Trost erzählt

Im Flandernbunker: Kleinformatige Lithografien, gezeichnet mit feinem, detailliertem Strich, erzählen von inneren und äußeren Qualen, von Angst, Folter und von Tod. Passion des XX. Jahrhunderts heißt der Zyklus von Richard Grune, der an der Werkkunstschule Kiel zum Graphiker ausgebildet wurde.

Voriger Artikel
Installationen aus aller Welt
Nächster Artikel
Rasanter Wandel der Gegenwart in der Pumpe Kiel

In seinem zehnteiligen Zyklus „Passion des XX. Jahrhunderts“ verarbeitete Richard Grune zwischen 1945 und '47 seine Erlebnisse in Konzentrationslagern.

Quelle: hfr

Kiel. Dann zog es Grune ans Bauhaus in Dessau und Weimar. Aber auch von der Nähe unter den Leidensgenossen handeln seine Werke, die einander Trost und Unterstützung gewähren. Der Mensch steht im Zentrum der Kunst von Richard Grune (1902 – 1983).

Es ist ein kleiner kunsthistorischer Schatz, der derzeit im Flandernbunker der Öffentlichkeit präsentiert wird. Rolf Fischer, Staatssekretär im Landesministerium und seit Jahren mit dem Verein Mahnmal Kilian im Gespräch, hat ihn quasi gehoben – zusammen mit Kuratorin Claudia Thoma. Der zehn Blätter umfassende Zyklus ist das einzige vollständig erhaltene Werk des gebürtigen Flensburgers Richard Grune, der als Homosexueller 1934 von der Gestapo verhaftet wurde und elf Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern Martyrien erlitt, bis er seinen Peinigern 1945 während eines Todesmarsches entkommen konnte. In Kiel wurden seine Grafiken zuletzt 1946 gezeigt – und von unbekannten Bilderstürmern vernichtet. Da es sich um Auflagenkunst handelt, sind noch wenige Mappen erhalten.

"Er hat sich nicht verbiegen lassen"

„Der Zyklus rührt an die Erinnerungskultur und das Selbstverständnis der Bundesrepublik“, sagt Fischer, der den Begriff „Passion“ sowohl auf das persönliche Leid des Künstlers, als auch auf dessen Leidenschaft für seine Arbeit bezieht. „Er hat sich nicht verbiegen lassen, obwohl er nie von seiner Kunst leben konnte.“ Richard Grunes Lebensmittelpunkt war Kiel, wo er vor über 30 Jahren in einem Pflegeheim starb. 1918 erlebte er hier den Matrosenaufstand, nach seinem Studium unter anderem bei Paul Klee und Wassily Kandinsky kehrte er in den 20er Jahren an die Förde zurück, wo er an der Seite von Andreas Gayk zum Künstlerischen Leiter des reformpädagogischen Projekts „Kinderrepublik“ auf Gut Seekamp agierte.

Es müssen glückliche Jahre gewesen sein, wie Zeichnungen in der Schau nahelegen. Auch nach Kriegsende noch Jahrzehnte als Homosexueller diffamiert, zieht Grune sich vom Leben zurück und kann sich nur noch zu formal reduzierten zeichnerischen Miniaturen aufraffen. „Aus dem lebenslustigen, selbstbewussten Mann wurde ein Eremit“, berichtet Fischer. Er will seine Spurensuche gegen das Vergessen fortsetzen. „Denn was bleibt von einem Maler, dessen Werk größtenteils zerstört, beziehungsweise unauffindbar in alle Winde verstreut ist?“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3