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Das Träumen mit den Beinen

Rotary Benefizkonzert Kiel Das Träumen mit den Beinen

Der Dirigent Christian Gayed hat seine jung und semiprofessionell besetzte Norddeutsche Sinfonietta aufs glatte Parkett der Tanzmusik aus diversen Jahrhunderten geführt. Er gestaltete damit im Kieler Schloss das traditionelle Rotary Benefizkonzert, das in diesem Jahr 13000 Euro für den Verein „MachMittag“ einbrachte.

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Ministerpräsident Torsten Albig (rechts) übergibt im Beisein seines rotarischen Freundes Dr. Heino Steentoft 13.000 Euro Erlös aus dem Rotary-Benefizkonzert an Angelika Volquartz für den 2015 gegründeten Verein "Mach Mittag". Er setzt sich dafür ein, Kinder aus sozial schwachen Familien täglich mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen.

Quelle: Henry Krasemann

Kiel. „Oh Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen“: Ob der spätantike Kirchenlehrer Augustinus bei seiner Empfehlung auch schon den Tango, Fandango und Samba vorausgesehen hat, darüber könnte in Zweifel geraten, wer am Mittwoch im gut besuchten Parkett des Kieler Schlosses das traditionelle Benefizkonzert der Rotarier besuchte. Denn wenn die vier geladenen Paare der Sparte Unitanz Kiel im Hochschulsport der Universität lautlos schleichend visualisieren, wovon sich Komponisten wie Boccherini, Bizet, Gershwin oder Weill zu berühmten Kompositionen bewegen ließen, schwingt da doch höllisch viel Erotik mit. Und die würde man hinter der Himmelpforte nicht unbedingt erwarten.

 Der Dirigent Christian Gayed hat seine jung und semiprofessionell besetzte Norddeutsche Sinfonietta aufs glatte Parkett der Tanzmusik aus diversen Jahrhunderten geführt. Hörbar zum Vergnügen des Publikums als Kreuzfahrt-Weltreise aus dem sicheren Hafen Kiel heraus anmoderiert von Selke Harten-Strehk, glückten die (letztlich doch wieder einmal zu zahlreichen) Splitter immer dann besonders gut, wenn es um Feinarbeit beim Träumen mit den Beinen ging. Ausgesprochen zart dufteten beispielsweise die Rosen aus dem Süden im Walzer von Johann Strauß.

 Wenn es um komplexe Motorik oder bloße Wucht ging, wie in Brahms Ungarischem Tanz oder in den modernen Folkloretransformationen bei Skalkottas schob sich die Mühe vor das reine Vergnügen. Gayed und die junge Garde wollte die Kontrolle behalten und büßte dabei den Mut zum Risikoschwung ein.

 Umso schöner wirkte – neben den 13000 Euro Spende an den Verein „Mach Mittag“ –, wie junge Talente aus Schleswig-Holstein in Szene gesetzt wurden. Immer wieder darf man erstaunt sein, wie schön eine Querflöte etwa durch Bachs Badinerie schweben kann, wenn man den Lübecker Jungstudenten Theodore Squire aus Kronshagen hört. Swaantje Kaiser, Konzertmeisterin im Landesjugendorchester, ist als Kieler Geigerin bei Prof. Heime Müller an der Lübecker Musikhochschule in allerbesten Händen – und beweist das auch solistisch mit einer blitzsauberen Tango-Nuevo-Skizze von Piazzolla. Das Glückstädter Klarinetten-Talent Frederike Schilling tanzte schon in Glucks Furientanz den herrlich querständigen Hexensabbat, um dann mit ihrer LJO-Mitstreiterin Julia Lilli von Grebmer aus Bad Segeberg sichere Pirouetten in Lutoslawskis Dance Prelude zu drehen. Später bereicherten alle Solisten das Kammerorchester-Tutti, so dass nun sogar Carmen im Sinne Augustinus’ Chancen auf höhere Weihen hat.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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