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Farbenspiel und Feenzauber

SHMF: Exquisites Trio in Plön Farbenspiel und Feenzauber

Selten hört man so viele verschiedene Trio-Facetten wie am Mittwoch in der bestens besuchten Nikolaikirche Plön. Der Querflötenstar Magali Mosnier aus der mittelfranzösischen Auvergne hatte sich für das feinsinnige Farbenspiel wechselnder Stilistik allerdings auch ganz besonders hervorragende Kammermusik-Partner an die Seite geholt.

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Erlebnisreiche Kammermusik in Plöns Nikolaikirche: Magali Mosnier, Nicolas Altstaedt und Nicholas Angelich.

Quelle: fotonick ehr

Plön. Sie spielte mit dem deutsch-französischen Cellisten Nicolas Altstaedt, der als Nachfolger von Gidon Kremer das legendäre Festival im burgenländischen Lockenhaus leitet, und dem hypersensiblen US-Pianisten Nicholas Angelich, der die Tasten streichelt wie sonst nur der diesjährige Porträtkünstler des SHMF, András Schiff.

 Schon Haydns D-Dur-Trio Hob. XV:16 fesselte mit federleichter Virtuosität in den Rahmensätzen und wisperndem Geheimnisverrat im mittleren Andantino. Über dem Glasperlenspiel des Pianoforte schwebte die absolut rein intonierte Goldflöte, während Altstaedt sich mit einem Bogen alter Bauart und sehnig vibratofrei in historisierender Manier an die Klavierbässe anschmiegte. Ähnlich elektrisierend „rhetorisch“ gestaltete das flirrend korrespondierende Duo Altstaedt / Angelich später Beethovens in ihrer aufgewühlten Expressivität besonders erstaunliche, weil frühe Sonate g-Moll op. 5 Nr. 2.

 Interessant war, wie sich César Francks berühmte A-Dur-Sonate weg von der knorrigen deutschen Brahms-Tradition und hin zum französischem Impressionismus bewegt, wenn sich anstelle der pastos zupackenden Violine eine derart filigran zeichnende Flöte mit dem getupften Klavier zusammentut. Mosnier und Angelich erschufen in sanften Klangnebeln und über unendliche Melodiezüge ein geradezu märchenhaft stimmiges Klangbild. Zwischen den beiden Wiener Klassikern und der vormodernen Franck-Atmosphäre verorteten die drei Musiker schließlich treffsicher das g-Moll-Trio von „unserem“ Eutiner Carl Maria von Weber. Da mischten sich gleichermaßen Anklänge aus dem Operntheater mit frühromantischem Feenzauber, poetischer Erzählkunst und sprudelndem Virtuosenkult.

 Ein glücklich erschöpftes Publikum dankte somit begeistert für einen erlebnisreichen Kammermusik-Abend feinster Sorte.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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