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Verwehte Stimmen der Natur

SHMF: Nuria Rial in Bordesholm Verwehte Stimmen der Natur

Ach, diese Stimme! Dieses Naturwunder, das keine Registerwechselmühen zu kennen scheint, vollkommen schwerelos zwitschert und sich ergreifend sonor verströmt, locker Kapriolen schlägt oder sich ganz naiv gibt.

Bordesholm. Die katalanische Sopranistin Nuria Rial faszinierte in der Bordesholmer Klosterkirche mit Repertoire aus ihrem iberischen Königreich, mit frühromantischen, auf Rossini vorausweisenden Canzonetten von Salvador Castro de Gistau oder Federico Moretti, vor allem aber mit den emotional verschatteten, grandios feinporig gestalteten Canciones populares antiguas espanolas von Federico García Lorca, den man nicht nur als Lyriker und Dramatiker zu Ehren hat. Und mit den zauberhaften Zugaben von Joaquín Rodrigo, die dem Wind aus Pedro Almodóvars Film Volver abgelauscht sein könnten. Im Repertoire des 20. Jahrhunderts zupft auch der Partner Heiko Ossig plötzlich auf Augenhöhe mit der Solistin an den Saiten seiner modernen Konzertgitarre.

 All das entschädigte für ein insgesamt problematisches SHMF-Konzert, in dem man aufgrund der Überakustik schon in privilegierter Reihe Sieben zumindest die historischen Gitarren-Instrumente von Ossig nur noch irgendwo irgendwie zirpen hörte. In dem man Rials schöne Stimme und ihren Bühnencharme zwar auch in deutschsprachigen Liedern von Joseph Haydn und Mauro Giuliani genießen konnte, aber doch nicht zu überhören war, dass sich eine wirklich sinntragende Deklamation mit verfärbten Vokalen und verflüsterten Konsonanten partout nicht einstellen wollte.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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