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Stille Sternstunde

SHMF: Kristian Bezuidenhout in Flemhude Stille Sternstunde

Mit einem auf ganzer Linie bilderbuchmäßigen Konzertrahmen samt 600-köpfiger Sonnenblumenpracht zeigt sich die neue Festivalspielstätte Flemhude an diesem Abend mit dem Hammerklavierspieler Kristian Bezuidenhout von ihrer besten Seite.

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Kristian Bezuidenhout war nach 2014 zum zweiten Mal zu Gast beim SHMF.

Quelle: Marco Borggreve

Flemhude. Flemhude. Mit einem auf ganzer Linie bilderbuchmäßigen Konzertrahmen samt 600-köpfiger Sonnenblumenpracht zeigt sich die neue Festivalspielstätte Flemhude an diesem Abend von ihrer besten Seite. In der dicht besetzten St. Georg- und Mauritiuskirche schwärmt Festival-Konzertchef Frank Siebert vom Geist der Gründerjahre, der an dem erst im vergangenen Jahr eingeführten Spot herrsche, bevor er die Bühne dem Hammerklavierspieler Kristian Bezuidenhout überlässt. Dieser wiederum gab sein Festivaldebüt im Jahre 2014 in Schenefeld. Carl Philipp Emanuel Bachs eröffnendes Rondo c-MollWq 59/4 aus den Clavier-Sonaten für Kenner und Liebhaber hatte er schon damals im Gepäck und spielte es in der Bonifatiuskirche mit eben der obertonreichen Leuchtkraft, die hier nun wieder zu erleben ist. Für seinen diesjährigen Festivalauftritt kombiniert der 1979 geborene Südafrikaner die Klaviermusik des Bach-Sohns mit der des von ihm beeinflussten Joseph Haydn, so dass in dessen Verlauf viele interessante Bezüge deutlich werden.

 Hat man Haydns Sonaten Sonate c-Moll Hob. XVI:20 und g-Moll Hob. XVI:44 bislang nur auf dem modernen Konzertflügel gehört, bieten Bezuidenhouts feinnervige Interpretationen überdies klangbildlich wahre Offenbarungen. Der zarte Ton des Hammerklaviers erinnert in den langsamen Sätzen beinahe an eine Spieluhr. In den schnellen scheint hier eine lyrische Nähmaschine zarte Fäden miteinander zu verknüpfen.

 Mit sensibel gesetzten Pausen, eindrucksvollem Lautstärke-Feintuning auf der Mikroebene und dynamischen Kontrasten unterstreicht der Klavierspieler auch in Joseph Haydns Variationen f-Moll Hob. XVII:6 und Carl Philipp Emanuel Bachs Rondo Es-Dur Wq 61/1 nach der Pause, welchen Reichtum die unterschätzten Klavierwerke der beiden Komponisten bergen, wenn man sie auf dem Instrumentarium erklingen lässt, auf dem sie auch zu ihrer Entstehungszeit gespielt wurden.

 Für seine abschließende Interpretation von Haydns Sonate C-Dur Hob. XVI:48 erntet Bezuidenhouts maximalen Applaus für ein Gastspiel in beinahe intim wirkender Atmosphäre. Und sollte der engagierte Dorf-Fotograf bis zum nächsten Jahr herausgefunden haben, wie er den Autofokus-Piepton seiner Kamera deaktiviert, dürfte man sich auf die dann gänzlich ungetrübte nächste stille Festivalstunde im schönen Flemhude schon jetzt freuen.

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