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Musikalische Freundschaftsdienste

SHMF: Annett Louisan und Chamber Orchestra in Flensburg Musikalische Freundschaftsdienste

Um neue Publikumskreise zu erschließen, empfängt das Schleswig-Holstein Musikfestival die Hörer derzeit mit weit geöffneten Armen. Auch diejenigen, denen Klassik Radio zu anstrengend ist, finden dabei ihr Konzert. Für zwei Konzerte wattiert das Schleswig-Holstein Chamber Orchestra den Bausparvertrags-Pop der Sängerin Annett Louisan.

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Konnte auf ein volles Deutsches Haus mit dem Chamber Orchestra zählen: Sängerin Annett Louisan.

Quelle: Axel Nickolaus

Flensburg. Louisan kann dafür am Montag in Flensburg auf ein volles Deutsches Haus zählen. Auch die Orchesterakademie muss in diesem Jahr ihr Scherflein zu Popularisierung des SHMF beitragen. Und manchmal fragt man sich, ob wohl schon die Verträge mit Santiano und Helene Fischer im Tresor des Palais Rantzau lagern.

Es spricht für die 38-Jährige, dass sie sich von ihrem ungewohnten Begleiter durchaus ein wenig einschüchtern lässt: „Ich möchte am liebsten gar nicht singen, weil ich euch die ganze Zeit zuhören möchte“, bekennt sie in Richtung der Festivalmusiker, die gerade ihren Klassiker Der Schöne klangfarbenreich umverpackt haben. Aus deren Gesichtern kann man nicht ablesen, ob sie das Kompliment verstehen. Überhaupt fragt man sich im Verlauf des dreistündigen Konzerts, was wohl in ihren Köpfen vorgehen mag. Sie tragen an diesem Abend Polohemdem, auf deren Rücken Lenny Bernsteins Credo „Let’s make music as friends“ zu lesen ist.

Das Orchester will Louisan nicht an die Wand spielen

Wer eines Freundes Freund ist, steht für diesen bestenfalls auch in ungeraden Situationen gerade. Und so gibt sich das gar nicht so kleine Chamber Orchestra alle Mühe, Annett Louisans Gesang nicht an die Wand zu spielen. In Anbetracht der geballten Ladung Klassik-Elite wirkt er über weite Strecken trotzdem reichlich unterkomplex. Da hilft auch die routinierte Vermittlungsarbeit ihres eigenen Quartetts nichts. Aber das liegt in der Natur der Sache, so dass man dafür auf der Bühne niemandem einen Vorwurf machen kann.

Tom Jobims Klassiker Garota de Ipanema auf Portugiesisch zu singen „obwohl ich gar kein Portugiesisch spreche“, ist dagegen Louisans persönliche Entscheidung, und sie bringt ein bisschen Karaoke-Flair in das Konzert. Ungleich souveräner gelingt ihr die Überführung des eigenen Repertoires in die größtenteils südamerikanisch gefärbten Orchesterarrangements, die die großen Zeiten Claus Ogermans in den Sinn rufen. In der zweiten Konzerthälfte tauen Publikum und Künstler dabei zusehends auf. Und nachdem sowohl Das Gefühl wie auch Das Spiel abgearbeitet sind und Das alles wär nie passiert im Zugaben-Parcours zum zweiten Mal ertönt, gibt es allseits kein Halten mehr. Unter den Musikern wird dazu stilecht Schaumwein ausgeschenkt. Merke: Trinken hilft.

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