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Eine Liebe auf den ersten Griff

Bratschist Nils Mönkemeyer beim SHMF Eine Liebe auf den ersten Griff

Immer wieder neu aufgehende Stars und Sternchen sind am Himmel der internationalen Geigenszene beinahe schon zum täglichen Geschäft geworden. Bei Bratschern sieht das ganz anders aus, was zum einen daran liegt, dass es einfach nicht so viel Sololiteratur für dieses Instrument gibt. Zum anderen wird die Bratsche gern als Aschenputtel unter den Streichinstrumenten tituliert. Nils Mönkemeyer hat es in den letzten Jahren jedoch geschafft, das Instrument aus dem Schatten der Geige zu befreien.

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Regelmäßiger Gast im Norden: Nils Mönkemeyer beim SHMF 2015 in der Rendsburger Christkirche.

Quelle: Axel Nickolaus

Lübeck. Interview: Andreas Guballa

 In seinen Programmen spannt der zweifache Echo-Klassik-Preisträger den Bogen von Entdeckungen und Ersteinspielungen originärer Bratschenliteratur des 18. Jahrhunderts bis hin zur Moderne und zu Eigenbearbeitungen. Nun kommt der gebürtige Bremer erneut im Rahmen des SHMF in den Norden.

 

 Wann und wie haben Sie die Liebe zur Bratsche entdeckt?

 Wie die meisten Bratscher habe ich ganz klassisch mit Geige angefangen und mich mehr schlecht als recht durch das Repertoire gequält. Im Umland von Bremen, aus dem ich komme, gab es keine großartigen Vorbilder, die mich inspiriert hätten. Geige war daher die offensichtlichere Wahl. Als ich über die Kammermusik zur Bratsche gekommen bin, war das wie ein Nachhause-Kommen. Ich hatte plötzlich eine Identifikation mit dem, was ich gespielt habe. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, so wie ich spiele, soll es auch klingen. Es war also quasi „Liebe auf den ersten Griff“.

 

 Was ist denn der besondere Klang der Bratsche gegenüber der Violine?

 Die Bratsche hat nicht die brillanten Höhen wie die Geige, sondern ist sinnlicher, rauchiger und tiefer im Klang. Das gibt eine ganz bestimmte Melancholie, die sehr meinem Wesen entspricht.

 

 Frustriert es Sie, dass die Viola nicht den gleichen Stellenwert wie andere Streichinstrumente hat?

 Eigentlich kann ich es nicht mehr hören, dass die Bratsche als „Aschenputtel“ tituliert wird. Ich liebe mein Instrument und fühle mich absolut wohl damit. Ich denke zusammen mit Kollegen wie Tabea Zimmermann haben wir das Instrument nach vorne gebracht. Aber schon im Barock wurden im Orchester die schlechten Geiger oft zu den Bratschen geschickt. Und von diesem schlechten Ruf muss sich das Instrument im Prinzip noch heute erholen. Deshalb ist es einfach an der Zeit, dass die Bratsche eine größere Aufmerksamkeit erhält.

 

 Wie sieht es mit Originalrepertoire für die Bratsche aus?

 Es ist nicht so klein, wie man immer denkt. Es gibt sehr schöne Sachen wie die Sonaten von Johannes Brahms, die ich gerade eingespielt habe. Aber Bearbeitungen sind auch sehr reizvoll und ich arbeite verstärkt mit Komponisten aus der heutigen Zeit zusammen, um das Repertoire auf diesem Wege zu vergrößern.

 

 Sie sind mit 38 Jahren ein Bratschenstar. Zudem unterrichten Sie als Professor für Bratsche und sind als Exklusivkünstler bei Sony unter Vertrag. Wie schaffen Sie es, trotzdem entspannt zu bleiben und wie schützen Sie sich bei den zahlreichen Terminen vor allzu schnellem Konzertverschleiß?

 Es ist ja eine Luxussituation, wenn man über Verschleiß sprechen muss; eigentlich bin ich sehr dankbar, dass ich überhaupt soviel als Musiker zu tun habe. Wenn ich merke, mir wird es zu viel, dann sage ich auch nein. Solange man Freude an dem hat, was man tut, kann man auch vieles schaffen. Der Enthusiasmus und die Begeisterung für eine Sache tragen einen und verleihen einem Flügel. Ich liebe jeden Moment auf der Bühne. Und in München habe ich einen Garten, in dem ich herumwerkele, was mich sehr entspannt. Zum anderen gehe ich gern in die Küche und backe, wenn ich zuhause bin.

 

 Sie spielen nicht nur virtuos auf der Bühne, sondern agieren auch ganz selbstverständlich mit sozialen Netzwerken. Wie wichtig sind YouTube, Facebook & Co. heute als Marketinginstrument für klassische Musiker?

 Ich finde die neuen Medien sind ein Segen für uns, weil wir die Leute direkter erreichen können. Sie sind einfach die Kommunikationsmittel unserer Zeit und es wäre falsch das nicht zu nutzen.

 

 Ist das auch eine Möglichkeit, um dem Silberseen im Konzertpublikum zu begegnen und jüngere Menschen für die Klassik zu begeistern?

 Da muss ich erst einmal eine Lanze für den Silbersee brechen: ich liebe mein grauhaariges Publikum. Ich finde es großartig, wenn Menschen mit über 60 Jahren noch ins Konzert gehen. Ich denke auch, dass man viele Stücke besser versteht je älter man wird. Aber natürlich muss man Wege finden, um auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Und die neuen Medien helfen, junge Leute unbefangener an die Klassik heranzuführen. Trotzdem kann ein Video auf YouTube nie ein Konzert ersetzen; aber vielleicht ein Anreiz sein, mal selber ins Konzert zu gehen.

 Konzerte am Mi, 3.8., Kuhstall Pronstorf; mit Sabine Meyer am 4.8., Rinderstall Haseldorf; 5.8., Kuhhaus Altenhof, jeweils 20 Uhr. SHMF-Kartenzentrale: Tel. 0431-23 70 70, www.shmf.de

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