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András Schiff ist Schwerpunktkünstler

SHMF-Programm 2016 András Schiff ist Schwerpunktkünstler

Am Freitag gaben die Initiatoren in Lübeck das Programm des Schleswig-Holstein Musik Festivals 2016 bekannt: Das SHMF wartet mit 100 Konzerten zum Schwerpunkt Joseph Haydn auf. Auch der Schwerpunktkünstler, der stille Starpianist András Schiff, trägt in seinen zehn Konzerten dazu bei. Die stilistische Alternative bietet beispielsweise Frankreichs Chanson-Star Zaz.

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Starpianist András Schiff ist der Schwerpunktkünstler des SHMF 2016.

Quelle: Priska Ketterer

Lübeck. Seine Schwiegermutter stammte aus Hamburg und im Jahr 1795 stand dort ein Besuch bei der Witwe seines verehrten Vorbilds Carl Philip Emanuel Bach auf dem Rückreiseprogramm von London an – mehr verbinde Joseph Haydn, den Schwerpunktkomponisten des Schleswig-Holstein Musik Festivals 2016, wohl mit dem deutschen Norden nicht, gibt Intendant Christian Kuhnt gerne zu. Das wird jetzt anders, denn im Festivalsommer vom 2. Juli bis zum 28. August sind stolze 100 der insgesamt 178 Konzerte dem großen Impulsgeber der Wiener Klassik gewidmet. Eingeladen sind viele Künstler, die besondere Qualitäten in der kundigen Aufführungspraxis mitbringen – wie Giovanni Antonini, Ton Koopman, Roger Norrington oder auch Thomas Hengelbrock für Sinfonik und Chorsinfonik, das Auryn Quartett für die Streichquartette, Kristian Bezuidenhout am Fortepiano. Oder Musiker, die aus Haydns Vorlagen alternative Funken schlagen und ungeahnte Aspekte beleuchten wie die Pianisten Ivo Pogorelich, Caspar Frantz (solo und mit Axel Milberg als Textflüsterer) und David Fray, die Bläser Magali Mosnier, Albrecht Mayer oder Alison Balsom, die Streicher Isabelle Faust oder Alisa Weilerstein.

Zu Haydn passt auch der diesjährige Schwerpunktkünstler Sir András Schiff geradezu optimal. Kuhnt hatte die lebende Klavierlegende mit dem federleichten Anschlag 2008 kennengelernt, war tief beeindruckt von seinem Wesen, Wissen und seiner Werkdienlichkeit und hatte sich fest vorgenommen, den scheuen Star zu locken. „Zehn wunderbare“ Programmideen habe Schiff daraufhin entwickelt. „Er ist ein Sir auch im Klavierspiel“, begeistert sich sich Chefdramaturg und Klaviermusik-Kritiker Frank Siebert für einen „Ausnahmekünstler“, dem es stets um das Wesentliche in der Kunst gehe und der das Publikum herausfordere, „am Wunder der Entstehung eines Kunstwerks teilzunehmen.“ Letzteres auch im Dialog mit den Zuhörern eines Gesprächskonzerts, wenn er in Flensburg den „Mount Everest“ für Pianisten, die Goldberg-Variationen von Bach, erläutert und spielt.

Das SHMF hat sich vorgenommen, mit den Konzerten auch ein wenig die Biografie Haydns nachzuzeichnen. Nach der Lübecker Eröffnung mit den NDR Elbphilharmonikern unter Hengelbrock und der Oxford-Sinfonie dürfen die Wiener Sängerknaben nicht fehlen, bei denen der Meister hellstimmig jung mitsang. Die Blockflöten-Powerfrau Dorothee Oberlinger beleuchtet die Zeit beim Grafen Morzin. Und dann können die am Hofe der Esterhazys entwickelten Hauptwerke folgen, die Gattungen wie das Streichquartett begründeten oder wie die Sinfonie oder die Klaviersonaten beflügelten. Schließlich kommt epochal Gewichtiges wie die Messen oder die Oratorien ( Jahreszeiten, Schöpfung) aus der Spätphase des inzwischen europaweit Berühmten zu Ehren. Nur die Oper, eigentlich auch nicht zu verachten, wird lediglich in Arien gestreift.

Insgesamt bietet das Festival im 30. Jahr seines Bestehens 178 Konzerte an 57 Orten in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Süddänemark. Eröffnet wird das Festival am 2. und 3. Juli in der Lübecker Musik- und Kongresshalle.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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