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Mischa Maisky in Flensburg

SHMF Mischa Maisky in Flensburg

Joseph Haydns Solokonzerte pflegen ihr Potenzial jenseits der historischen Aufführungspraxis oft zu verbergen. Spielt man sie auf modernem Instrumentarium, wirken sie harmlos und unterstreichen die verbreitete Ansicht, dass dem Meister auf der Orchesterebene vor allem als Sinfoniker Respekt gebühre. Allerdings kann man diese These auch ganz ohne Originalklang und mit einem vergleichsweise gradlinig aufspielenden Orchester widerlegen. Dazu braucht es dann eben nur ein solches Phänomen wie Mischa Maisky.

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Mischa Maisky mit der Israel Camerata Jerusalem unter der Leitung von Avner Biron in Flensburg.

Quelle: Axel Nickolaus

Flensburg. Es ist ein durch und durch faszinierendes Vergnügen, zu erleben, wie der lettische Cellist Haydns spät entdecktes Cellokonzert C-Dur Hob. VIIb:1 auf seinem Instrument zur Chefsache macht. Der 67-Jährige nimmt sich dabei alle möglichen Freiheiten, wählt einen denkbar ruppigen Einstieg, erlaubt sich im Moderato manche Schroffheit und scheint jeden einzelnen Ton mit Nachdruck zu formulieren. Was im Normalfall manieriert klingen könnte, führt bei Maisky jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis: Der Solopart entfaltet hier ein eigenes Leben, eine ganz eigene Gestalt, die man fast glaubt, berühren zu können. Auch im Adagio hält die Faszinationskraft dieser Interpretationshaltung an. Innig mit seinem Instrument verbunden, lässt Maisky das Cello in einer Weise singen, die sehr an die menschliche Stimme erinnert. So geht der Mittelsatz direkt zu Herzen, bevor der Solist im Finale wieder mit vollem Risiko spielt und alles gewinnt. Die Israel Camerata Jerusalem unter der besonnenen Leitung von Avner Biron bietet seiner Ausdruckskraft einen stimmigen Rahmen und konzentriert sich auf die Rolle eines inspirierten Begleiters.

 Viel mehr ist in Anwesenheit eines so raumgreifenden Solisten sowieso nicht drin. Aus diesem Grund bleiben Ohren und Augen auch bei Peter Tschaikowskys Rokoko-Variationen op. 33 für Violoncello und Orchester ganz auf Maisky gerichtet, der dem diesjährigen Lieblingskomponisten des Festivals hochvirtuos und mit herrlich zügelloser Leidenschaft begegnet, ohne dass es dabei an Raffinesse mangeln würde. Wie schon zuvor erntet der Cellist dafür großen, zugabengekrönten Applaus.

 Auch vor und nach seinen Soloauftritten kann sich der Abend hören lassen, der mit Noam Sheriffs Prayers für Streicher als vielfältig tönendem Brückenschlag zwischen Orient und Okzident beginnt und in eine angenehm ausbalancierte Lesart von Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonie g-Moll KV 550 mündet – nach all der geballten Cellomagie ein willkommener Ausgleich.

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