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Das längliche Leiden der Prinzessin

Strauss' „Ariadne auf Naxos“ in Lübeck Das längliche Leiden der Prinzessin

Die Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss und dem Libretto von Hugo von Hofmannsthal ist ein schwieriges Stück. Warum das Werk so kompliziert zu inszenieren ist, zeigt ein Blick auf die Entstehungsgeschichte. Die Urfassung wurde 1912 ein krachender Misserfolg, die neue Fassung geriet 1916 zum Erfolg, der bis heute anhält.

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Die Commedia dell’Arte lässt grüßen: Zerbinetta (Emma McNairy) wird von ihrer Theatertruppe auf Händen getragen.

Quelle: JochenQuast

Lübeck. Und das, obwohl auch die Neufassung kein homogenes Werk ist und zudem einige gefährliche Längen aufweist. Eine Oper für Kenner und Strauss-Liebhaber ist Ariadne auf Naxos immerhin – dieses Werk aber zur Saisoneröffnung zu geben, erscheint fast tollkühn.

 Bei der Lübecker Inszenierung von Aurelia Eggers wurden die Probleme der Ariadne ebenso deutlich wie der Reiz, den dieses Werk unbestritten hat. Die Längen wirkten auch in dieser Produktion ausgesprochen lang, vor allem im Vorspiel, das seltsam uninspiriert wirkte. Zwar legte die Regisseurin vor allem Wert auf die Gestalt der Ariadne, deren Wandlung von der arroganten Primadonna zur leidenden Verlassenen das Bindeglied zwischen den beiden Teilen darstellen sollte. Der Funke wollte in diesen ersten 40 Minuten nicht überspringen. Das lag auch an der musikalischen Leistung: Den Philharmonikern und ihrem Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri gelang es in diesem ersten Teil nicht, wirklich Zugang zur Musik von Strauss zu finden.

 Optisch hatte dieser erste Teil jedoch einiges zu bieten. Die Kostüme von Veronika Lindner waren fantasievoll opulent, die um ein quadratisches Gebäude in der Bühnenmitte gebaute Szenerie (Andreas Wilkens) erfüllte ihre Zwecke.

 Den zweiten Teil, die eigentliche Oper, verlegte Aurelia Eggers an die Gestade des Mittelmeeres, dort, auf der Insel Naxos, ließ Theseus die unglückliche Prinzessin ja auch sitzen. Mit drei Nymphen lebt Ariadne auf der Insel, sie will nicht mehr leben und beginnt sich mit einem Messer die Handgelenke aufzuritzen. Mit Andrea Stadel, Annette Hörle als Gast und Evmorfia Metaxaki stand der Regisseurin eine Luxus-Nymphen-Besetzung zur Verfügung. Warum Nymphe Echo allerdings als Blinde auftreten musste, wurde nicht deutlich.

 Gabriela Scherer als Ariadne gelang es, die ganze Verzweiflung dieser unglücklichen Frau zu vermitteln. Sie verfügt über einen warm und fraulich timbrierten Sopran, dem man die Anstrengung nicht anmerkte. Der Wechsel ins jugendlich-dramatische Fach ist der aus der Schweiz stammenden Sängerin gut bekommen. Ihre schauspielerischen Fähigkeiten wurden weniger gefordert. Erik Fenton als Bacchus sang seine Partie in heldentenoraler Manier, die lyrischen Passagen blieben dabei fast auf der Strecke. Das mag sich noch ändern.

 In diesem zweiten Teil der „Ariadne“ hat dann auch Zerbinetta ihren großen Auftritt. Die neu ins Ensemble gekommene Emma McNairy ist nicht nur eine wunderbare und durch ihre Frische und Beweglichkeit überzeugende Darstellerin, sie ist auch gesanglich auf der Höhe. Man kann hören, welch riesengroßes Potenzial in der jungen Stimme steckt. Nach der großen Koloraturarie bekam die Sängerin minutenlangen Szenenapplaus. Herausragend als Komponist war wieder einmal Wioletta Hebrowska. Diese Partie ist exponiert, Wioletta Hebrowska gelangen auch die höchsten Töne elegant und sicher. Als Musiklehrer brillierte Gerard Quinn, in der Sprechrolle des Haushofmeisters beeindruckte Steffen Kubach. Auch die anderen Nebenrollen waren passend besetzt.

 Im zweiten Teil fanden Dirigent und Orchester dann auch zu dem kammermusikalischen Klang, den diese Oper erfordert, die mit nur 36 Musikern besetzt ist. Einige Male aber ließ Numajiri viel zu laut spielen. Das Publikum bejubelte die Sängerinnen und Sänger, für das Regieteam und den Dirigenten gab es freundlichen Beifall.

Theater Lübeck, Beckergrube. Termine am 18. September, 2., 9. und 22. Oktober, 3. November, 16. und 30. Dezember, 3. und 23. März, 23. April. Karten: 0451 / 399600.  www.theaterluebeck.de

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