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Auf Zehenspitzen um den Hammerflügel

Mozart-Konzert in St. Nikolai Kiel Auf Zehenspitzen um den Hammerflügel

Mozart, Anfang der 1780er-Jahre noch neu in Wien, war begeistert von seinem Hammerflügel. Das Instrument von Meister Anton Walter eröffnete ihm eine Welt neuer Klangfarben, abgestufter Lautstärke-Effekte und virtuoser Möglichkeiten. Im ersten Mozart-Konzert der Musikfreunde konnte man das nachempfinden.

Kiel. Denn der Tasten-Spezialist Gerrit Zitterbart spielte das beliebte A-Dur-Klavierkonzert KV 414 auf einem exakten Nachbau von Robert Brown. In der ordentlich besuchten Nikolaikirche reagierte das Publikum mit auffällig lang anhaltendem Beifall auf die ungewohnt metallischen Klänge des Fortepianos, seine duftige Zartheit, perlende Punktgenauigkeit, den kernigen Bass und die reich schimmernden Akkorde. Zitterbart bewies darauf muntere Spielfreude und gestaltete den Mittelsatz, wahrscheinlich Mozarts Hommage an den in London verstorbenen Freund Johann Christian Bach, mit anrührend behutsamer Innigkeit.

 Um die historische Aura des naturgemäß eher leisen Instruments möglichst selten zu überdecken, spielte die Camerata Kiel gleichsam auf Zehenspitzen, um in den orchestralen Vor- und Zwischenspielen dann in der Fassung mit Hörnern und Oboe ähnlich schneidig aufzutrumpfen wie in Haydns G-Dur-Sinfonie Hob. I:27 zu Beginn.

 Die Camerata kultivierte einen stilistisch etwas vagen, aber angenehm warm getönten Sound, der die düster verschrobenen, von einem einsamen Fagott mitgeprägten Momente der Overture da chiesa aus der Feder des „schwedischen Mozarts“ Josef Martin Kraus genauso stimmig hervorkehrte wie die nordische Melancholie in Max Bruchs berückend zart besaiteter Serenade c-Moll nach schwedischen Volksmelodien. Abgesehen von letzten Unsauberkeiten bestand hier allenfalls die Gefahr, allzu wehmütig den folkloristischen Puls der Musik zu verschleppen.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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