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Saltatio Mortis: Zeitgeist in der Rock-Manege

Blitz-Kritik Saltatio Mortis: Zeitgeist in der Rock-Manege

Eigentlich sollte das Spektakel im Max Nachttheater stattfinden, doch wegen der großen Nachfrage wechselte die Mittelalter-Rockband Saltatio Mortis in die Halle 400. Mit hochaktuellen Texten, alten Weisen und E-Gitarren brachten die acht Spielleute die gut 1000 Zuschauer in Hochstimmung.

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Saltatio Mortis in der Halle 400 in Kiel.

Quelle: Manuel Weber

Der erste Eindruck

Kiel. Mit Mittelalter-Rock hat das Ganze an diesem Abend nicht mehr viel zu tun, so der erste Eindruck. Die zwei beileibe nicht leisen Marktsackpfeifen und die Drehleier werden von den E-Gitarren in den Hintergrund gedrückt, auch Bass und Schlagzeug sorgen für Zwerchfellmassagen. Die Band spielt zwar nach wie vor auch Akustikkonzerte, aber diesmal ist Stadionrock angesagt.

Das Programm

Und der geht gut los: „Wo sind die Clowns?“ wirbt für nicht für die Rückkehr in eine oberflächliche Spaßgesellschaft, sondern für die Fähigkeit zur temporären Unverbissenheit und Unbeschwertheit. Ein Weihnachtslied im April? Kein Problem, ist doch beim Blick in die Geschäfte die Vorweihnachtszeit schon kurz nach Ostern angebrochen. Saltatio Mortis nehmen dies in „Willkommen in der Weihnachtszeit“ gekonnt aufs Korn. Auch „Des Bänkers neue Kleider“ ist ein gelungener Hieb auf die Finanzblase. „Ein bisschen gleichförmig im Hymnenrockmodus zieht das Konzert dahin, später jedoch kommen auch Klassiker und somit der folkloristische Ansatz ins Spiel.

Das Publikum

Das Publikum wird permanent vom austrainierten Sänger Alea der Bescheidene zum Mitklatschen und –singen animiert und kommt dieser Aufforderung gern nach. Es sind nicht wenige, die der Band schon seit der Gründung vor 16 Jahren folgen und dementsprechend textfest dem Konzert folgen. Beeindruckend, wie der gesamte Saal nach der letzten Zugabe „Spielmannsschwur“ weitersingt und eigendynamisch den Song beendet. Die Band ist berührt und spielt noch einen weiteren Song.

Was in Erinnerung bleibt

Saltatio Mortis spielen musikalisch schon in der Tote-Hosen-Liga, setzen auf hymnische Harmonien und „Ooh, Ooh, Ooh“-Mitsingparts in nahezu jedem Lied. Dass eine Band sich im Laufe der Jahre professionalisiert, ist normal, man hat dennoch das Gefühl, dass die Jungs nach wie vor ihr Ding durchziehen.

Fazit

Eine kritische Band, die sehenden Auges in die Welt blickt und dabei nicht ihren Humor verloren hat, veranstaltete mit enthusiastischen Fans sicherlich nicht den letzten Totentanz (Saltatio Mortis).

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