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Und ihr Haifisch, der hat Pläne

Salut Salon Und ihr Haifisch, der hat Pläne

Das fröhlich gestimmte Publikum im Schloss nimmt Salut Salon bei ihrem Trip durch den globalen "Karneval der Tierwelt" alles gerne ab: Wo andere Gastkünstler stets eine Schleimspur von Weinbergschneckenqualität legen, verkneifen sich die vier Damen von Salut Salon nicht mal ihre tierisch despektierliche Reimzeile in Barrosos legendärem Aquarela-Song: „Brasil – da ist’s viel schöner als in Kiel!“

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Streichereinheit: Die Geigerinnen Iris Siegfried (stehend) und Angelika Bachmann (links) mit Cellistin Sonja Lena Schmid und der in Kiel nicht beteiligten Pianistin Anne-Monik von Twardowski vom virtuos verqueren Klavierquartett Salut Salon.

Quelle: Salut Salon

Kiel. Ein vierfach bedauerndes Lächeln und sein fatales Ergebnis: Man glaubt’s den inzwischen weitgereisten Youtube-Königinnen (22 Millionen Aufrufe für ihre Zugaben-Akrobatik mit Vivaldis Sommer) sofort. Kein Wunder: Der bewährte Mix aus Salonmusik-Transkriptionen, Parodie, Comedy, Schnulzen-Wellness, knappen Wortwitz-Moderationen und virtuosem Klassik-Gefetze funktioniert auch – und gerade – ausgehend von Camille Saint-Saens’ Fauna-Evergreen. Passend zur derzeit komplett in Sachen Zahnwal-Stippvisite durchgeknallten Fördestadt gelingt (wie auf der aktuellen CD) der künstlerische Höhepunkt jedoch beim Abtauchen im Hai-Medley mit quietschendem Biss und böse gurgelnden Plänen: Wie da John Williams’ weißes Meeresmonster mit Doldingers Boot und Weills Meckie Messer verquirlt wird, gelingt im Salut-Salon-Arrangement gänsehautverdächtig perfekt.

 Köstlich ist aber auch, wenn die singfähigen Streicherinnen Angelika Bachmann, Iris Siegfried und Sonja Lena Schmid mit der Blockflöte zischend und züngelnd Disneys Dschungelbuch-Schlange Kaa beschwören und dabei stilistisch ziemlich gekonnt die seligen Andrew Sisters imitieren. Jeder weiß außerdem, dass Bachmann eine begnadete Meisterin der Singenden Säge ist und allerspätestens die Violin-Tigerin auspackt, wenn sie Piazzollas Tango nuevo Escualo unter die Krallen kriegt. Schwein gehabt: Da kann dann auch die etwas schrille Tonabnahme der Saiten keinen echten Flurschaden mehr anrichten.

 Wildkatze Olga Shkrygunova erweist sich am Klavier als deutlich mehr als „nur“ eine Einspringerin für Anna-Monika von Twardowski. Aber sie ist ja auch schon seit 2014 im erweiterten Frauen-Power-Team dabei. So zimmert sie mal eben einen Gaucho-Tanz von Ginastera herunter, dass es auch für die Champions League der Klavierkunst reicht. Und sie ist als schnurrende Chanteuse mit charmant russischem Akzent dabei, wenn es darum geht aufzuzählen, was dem Löwen so alles schmeckt.

 Das animalische Fazit ist klar: Die vier Hamburger Hühner sorgen dafür, dass es im Kieler Schloss für zwei Stunden mal fast so schön ist wie beim Schnorcheln auf Fernando de Noronha. Hai!

http://www.salut-salon.com/home/

https://www.youtube.com/watch?v=BKezUd_xw20

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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