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Seelenvolle Gefühlsdusche

Sarah Connor Seelenvolle Gefühlsdusche

Die ganz, ganz große Gefühlsdusche drehte Sarah Connor in der so gut wie ausverkauften Kieler Sparkassen-Arena auf. Eine warme Welle, die das Publikum wohlig überspülte und die Sängerin zeitweise selbst so ergriff, dass sie sich Tränen aus den Augen wischen musste.

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Stimmgewaltige Gäste in der Sparkassen-Arena: Sarah Connor trat gestern samt Band vor einer fast ausverkauften Halle auf.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Aufstehen, immer wieder aufstehen, nicht aufgeben, vertrauen, lieben. Wie ein roter Faden ziehen sich diese Motive durch die Lieder auf Sarah Connors enorm erfolgreichem Comeback-Album „Muttersprache“. Botschaften, die Trost spenden können in schweren Zeiten, und wer hat die nicht hin und wieder. Botschaften, die offensichtlich auch beim verzückten Publikum in der so gut wie ausverkauften Sparkassen-Arena ankommen. Gegen die Botschaften an sich spricht nichts, gar nichts. Über die Art ihrer Vermittlung aber dürfen die Meinungen auseinandergehen.

Sarah Connor dreht, unterstützt von einer mit allen Wassern gewaschenen Band, die ganz, ganz große Gefühlsdusche auf. Für eine warme Welle, die das Publikum wohlig überspült und die die Sängerin zeitweise selbst so ergreift, dass sie sich allem Anschein nach Tränen aus den Augen wischen muss. Nicht wenige Melodien der teils schwülstigen neuen Lieder schrammen hart am Schlager entlang, fahren auf niedrigem kompositorischen Niveau und taugen deshalb außerordentlich gut als massenkompatible Vehikel für die genannten Botschaften.

Sarah Connor begeisterte vor einer fast ausverkauften Sparkassen-Arena. Hier sehen Sie Bilder vom Konzert.

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Ob „Bedingungslos“, „Das Leben ist schön“, „Meine Insel“, ob der besonders euphorisch begrüßte Hit „Wie schön du bist“ oder das löblich mahnende, politische „Augen auf“ (Connor: „geschrieben aus der Sicht einer Mutter von drei Kindern, die in einem sicheren Land aufgewachsen ist“) - mit Soul haben die neuen Lieder nicht viel zu tun. Dennoch kündigt Sarah Connor forsch kurz nach dem Konzertstart an: „Der Soul darf natürlich nicht fehlen, er gehört zu uns.“  Allerdings ist das schon seit ihrem Debüt „Green Eyed Soul“ vor 15 Jahren  ein Missverständnis. Denn es ist allenfalls ein recht plumper R&B-Entwurf, der ihre frühen Hits wie „French Kissing“, „Let’s Go To Bed, Boy“ oder „From Zero To Hero“ kennzeichnet. Diese – wie sie es augenzwinkernd nannte – Zeitreise in ihre „dunkle Vergangenheit“ verpacken Sarah Connor  und ihre Band in ein bemerkenswert heftig bejubeltes Medley.

„Ihr wollt meine Schuhe? Da steht das Wasser drin. Die sehen nur noch von außen gut aus.“
Sarah Connor auf einen Zuruf aus dem Publikum

Gleich im Anschluss überraschen sie jedoch mit einem Cover-Song, qualitativ der Höhepunkt des knapp zweistündigen Konzerts: Michael Jacksons 1979er-Disco-Hit „Rock With You“ verwandeln sie in eine elegante, angejazzte Deep-Soul-Nummer samt Wah-Wah-Gitarre. Das Mothers-Finest-Cover „Baby Love“ in der Zugabe allerdings klebt öde eng am Original, und die dazu auf der Videoleinwand präsentierte schmucke Ahnengalerie des Soul mit naheliegenden Größen wie Aretha Franklin, Marvin Gaye, Stevie Wonder, Diana Ross, Curtis Mayfield, James Brown (warum werden einige gleich mehrfach gezeigt und nicht ein paar weniger bekannte, aber nicht weniger großartige …) wirkt peinlich ranschmeißerisch ausgestellt.

Ambivalent wirkt auch die Publikumsnähe, die Sarah Connor demonstriert. Als probates Instrument fungiert ein Laufsteg, auf dem sie und ihre drei Background-Sängerinnen hin und wieder in von der Bühne aus in die Menge tänzeln oder der für ein paar auf intim getrimmte Akustik-Sets dient. Hier noch ein Selfie auf der Bühne mit Fan Patrick, der ihr ein selbstgebasteltes Herz geschenkt hat, dort noch ein paar Autogramme. Auch so gewinnt man die Herzen seiner Fans.

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Ein Artikel von
Thomas Bunjes
Kulturredaktion

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