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Geschichten hinter den Masken

Schads Ensemble in Kiel Geschichten hinter den Masken

Durch die Maske sieht die Welt ziemlich anders aus. „Man ist vorsichtiger in seiner Bewegung, lauscht mehr in die Umgebung, weil das Gesichtsfeld so eingeschränkt ist“, sagt Schauspielerin Linda Stach.

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Linda Stach, Christina Dobirr und Elena Schmidt-Arras (v. li.) haben schon in anderen Zusammenhängen gemeinsam gearbeitet.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. . Und Kollegin Christina Dobirr hat sich gleich ein paar Extra-Luftlöcher ins Pappmaché geschnitten: „Das Atmen ist schon heftig unter so einer Maske.“ Darüber hinaus aber verändert sich auch das Spiel: „Die Bewegungen sind langsamer“, sagt Elena Schmidt-Arras, „da entsteht ein ganz neues Gefühl für Rhythmus.“

 Im Tannengrund 1 heißt das Maskentheater, das die drei Schauspielerinnen in Kiel seit einem halben Jahr gemeinsam erarbeitet haben und das am Freitag unter dem Namen Schads Ensemble im Sechseckbau Premiere hat. Entstanden aus der Lust, etwas anderes auszuprobieren. „Ich wollte mal weg von dem textlastigen Theater“, sagt Elena Schmidt-Arras, „mehr mit dem Körper spielen.“ Ein Workshop der für ihr atmosphärisches Maskentheater bekannten Gruppe Familie Flöz in Berlin kam da gerade recht: „Da habe ich gelernt, wie man sich damit bewegt – und wie man überhaupt so eine Maske herstellt.“ Die Konturen nicht zu tief, die Augen so, dass sie auch gucken, eine gewisse Asymmetrie in den Zügen: „Da ist viel zu beachten.“

 Jetzt liegen drei Masken auf dem Tisch im Probenraum, den die Komödianten den Schauspielerinnen zur Verfügung gestellt haben. Zum Gefühl erstarrte Gesichter, jedes sein eigenes Individuum. Zwei Frauen, ein Mann. Es geht um zwei Schwestern (Stach, Schmidt-Arras) in einer abgelegenen Pension, um einen Landstreicher (Dobirr), der dort strandet, um Heimatliebe, Fernweh und Loslassen. „Das basiert auf sämtlichen Harz-Urlauben, die wir jedes Jahr mindestens einmal machen“, sagt Christina Dobirr, und Linda Stach ergänzt: „Dabei haben wir viele leerstehende Hotels entdeckt. Ich liebe solche ausgestorbenen Orte. Und wir dachten, daraus lässt sich etwas machen.“

 Entwickelt haben die Drei das Stück gemeinsam. Zunächst mit Dialogen, die sie langsam wieder heruntergebrochen haben, bis in die Sprachlosigkeit. Eine Herausforderung war das schon, ohne Worte auszukommen. „Aufregend, schwierig“, sagt Christina Dobirr. „Mit Sprache kann man die Dinge so schön umschreiben und vieles zudeckeln. Aber wenn ich die Maske aufsetze, fällt gleich eine Hemmung weg. Und die Reaktionen der Figuren sind viel unmittelbarer.“ Und Elena ergänzt: „Die Gesichter bringen ihre eigenen Geschichten mit.“

 Natürlich haben sich die drei von den Vorbildern der Familie Flöz, die im Rahmen des SHMF im Sommer 2015 zum zweiten Mal in Kiel gastierte, inspirieren lassen („Wir haben auch ihren Segen“). Vor allem aber wollen sie ihr eigenes Ding machen; vom Skript über Bühnenbild und Kostüme bis zu Spiel und Regie füllen sie alle Rollen. „Sehr harmonisch“, wie sie sagen. Alles eine Frage des gleichen Humors. Gefreut haben sie sich allerdings auch über die geballte Unterstützung: Das Polnische Theater hat beim Bühnenbild geholfen, Katie Luzie Stüdemann ebenso wie die Komödianten mit Probenraum. Und für die Musik und Sounds auf der Bühne sorgt Tobias Wendisch.

 „Die Masken brechen das Theater auf das gemeinsame Erleben herunter“, sagt die drei über ihr Experiment, „denn Körpersprache versteht einfach jeder.“

  Aufführungen am 12. und 13. Februar, jeweils 20 Uhr, im Sechseckbau. Am 26. Mai, 20 Uhr, im Theater am Wilhelmplatz. Reservierungen unter Tel. 0431/16078843, info.schads@gmx.de. Weitere Termine in Planung: www.schadsensemble.jimdo.com

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