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Ein Familientreffen steuert ins Chaos

Schauspielhaus Kiel Ein Familientreffen steuert ins Chaos

Großes Familientreffen unterm festlich erleuchteten Baum – die klassische Konstellation, die Jahr für Jahr Anlass für Überraschungen und Konflikte bietet, im Leben – und auf der Bühne. Genau davon handelt Alan Ayckbourns Komödie Schöne Bescherungen, die am Freitag Premiere im Kieler Schauspiel hat.

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Vorbereitungen zum Fest: Regisseur Daniel Karasek und Gastschauspielerin Katharina Abt.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Und sie ist so begehrt, dass alle Vorstellungen bis zum Jahreswechsel nahezu ausverkauft sind. Daniel Karasek, Regisseur der Neuinszenierung, hält das Stück für eine der vier, fünf besten Komödien der letzten 50 Jahre und will sie darum auch nach der Weihnachtszeit im Spielplan halten. Der Generalintendant kennt die Qualitäten des seit 1980 erfolgreichen Theatertextes, denn er hat ihn schon einmal, 1993 am Hamburger Thalia Theater, auf die Bühne gebracht. Er schätzt ihn als eine „wunderbare Vorlage für das Ensemble“, eine schöne Gelegenheit, neun fast gleichgewichtige Rollen im Zusammenspiel zu erproben.

Ayckbourn als "dramatischer Dickens"

Karasek bezeichnet den 1939 geborenen Erfolgsautor Alan Ayckbourn als „dramatischen Dickens“, denn er beschreibe sehr präzise die Lebensweise der unteren, aber soliden Mittelschicht. „Wenn man später einmal etwas aus unserer Zeit und von den Gewohnheiten der Menschen erfahren möchte, wird man sich an Ayckbourn halten können“, findet er. Ihn fasziniert die Methode des Autors, „das Komische hinter der Tragödie zu entdecken und die Konflikte nicht ins Destruktive abstürzen zu lassen“.

Die Verwandten und Freunde, die sich in den Weihnachtstagen im Heim von Belinda und Neville versammeln, bringen genügend Potenzial zur Eskalation mit: eine ins Altjüngferliche dahindämmernde Schwester, ein Waffennarr als Onkel, ein dilettantischer Puppenspieler als Schwager, seine stets angesäuselte Frau, ein Weichei von Geschäftspartner und dessen gebärfreudige Gattin. Doch den mühsam in Balance gehaltenen Familienkosmos steuert ein Fremder ins Chaos: Ein Schriftsteller als Überraschungsgast sorgt nicht nur für amouröse Verwicklungen.

Ausbruch nur für eine Nacht

Alles scheint an Belinda zu hängen, doch sie hält nur mühsam die Fäden des Geschehens zusammen. „Ich kenne solche Frauen aus meinem Freundeskreis“ sagt Gastschauspielerin Katharina Abt über ihre Rolle. „Sie fühlen sich für alles in der Familie zuständig, aber keiner hält ihnen den Rücken frei.“ Die Belinda, so wie Abt sie versteht, erträgt diese Situation, „lange, zu lange, bevor sie ausbricht“. Für eine Nacht nur: „Denn ihr Leben wird sie nicht ändern“.

Die vielbeschäftigte Schauspielerin nennt sich „glücklich, mal wieder Gast in einem großen Ensemble zu sein“. Die Frage, wie das sei, mit ihrem Lebenspartner Karasek als Regisseur zu arbeiten, tut sie ab, bevor sie gestellt ist: „Es ist schon das neunte Mal.“ Nichts Besonderes also. Aber reizvoll: „Daniel ist einer, der genau sagt, was er will, einen aber bei den Proben doch frei laufen lässt.“ Das schätzt die Schauspielerin genauso wie die Chance, „ihre Rolle im Zusammenspiel mit den Kollegen zu entwickeln“.

Schauspielhaus Kiel, Premiere 20.+21. Nov. (Restkarten). Kartentel. 0431/901901

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