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Klassik von leichter Hand

SHMF Klassik von leichter Hand

Das 2007 gegründete Ensemble The Philharmonics ist nicht leicht zu fassen. In seinen Konzertprogrammen schlägt es die Brücke zwischen E- und U-Musik wie die zwischen akkuratem und lässigem Musizieren.

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Wiener Verve: The Philharmonics in Altenhof.

Quelle: Foto: Axel Nickolaus

Altenhof. Seine Konzerte sind dabei offenbar so unberechenbar, dass sich der Käufer des offiziellen SHMF-Programmhefts in Altenhof am Dienstag mit der Überschrift „Joseph Haydn meets The Philharmonics“ begnügen muss und auf eine ansonsten leere Seite blickt.

 Doch selbst dieses Resümee erweist sich als Mogelpackung, denn die Werke des Komponisten erklingen hier lediglich in Form kurzer Zitate. Im eigentlichen Fokus des von Geiger Tibor Kováč liebenswürdig moderierten Abends steht stattdessen gewissermaßen alles Mögliche. Da wandert beispielsweise das melancholische Gitarrenthema aus Joaquín Rodrigos Concierto de Aranjuez elegant von Kováčs Violine auf Daniel Ottensamers Klarinette, bevor die Philharmonics zu Ödön Ráczs gründlich gezupftem Kontrabass ins Swingen geraten. Moderner Mainstream-Jazz, durch Chick Coreas Spain verkörpert, wird von dem Septett vital in Szene gesetzt. Zum Ausgleich folgt danach die Blumen-Arie aus Carmen, mit viel zartem Schmelz auf Geige, Bass und Cello gesungen, so dass man Bizet hier fast für einen Filmmusiker halten könnte.

 Die K&K Rhapsodie erweist sich als virtuos umgesetztes Medley, in dem Janacek auf Johann Strauss trifft und auch Giuseppe Verdi noch ein Wörtchen mitzureden hat. Während die Streicher sich darin mächtig in die Kurven legen, konturiert František Jánoška dieses musikalische Mischmasch mit beinahe improvisiert wirkendem Klavierspiel. Wenig später werden vereint die Viertel geschrammelt und Tibor Kováč ruft zusammen mit dem zweiten Philharmonics-Geiger Roman Jánoška Stéphane Grappellis Jazz-Violine in Erinnerung. Zwischendrin fliegt dann plötzlich auch noch die Fledermaus durch das dicht besetzte Kuhhaus. Doch weil bei alledem in erster Linie Verve und Chuzpe den Ton angeben, wirkt die Musik trotzdem wie aus einem Guss. So geht das zum großen Vergnügen des Publikums in einem fort und wieder einmal sorgt Festivalabend im Zeichen leichter Unterhaltungsmusik für maximalen Zuspruch.

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