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Mehr Kunst im Barockgarten

Schloss Gottorf Mehr Kunst im Barockgarten

Auch jenseits der Schlossinsel soll rund um die Gottorfer Residenz die Kunst einen neuen Stellenwert bekommen: Acht Jahre nach Eröffnung des rekonstruierten Barockgartens hat die Stiftung Schleswig Holsteinische Landesmuseen eine Art Masterplan nun auch für diesen Bereich nördlich des Schlosses im Blick.

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Neuer Blick: Preisträger Joachim Jacob (rechts) und Kurator Ulrich Schneider am Modell des Terrassengartens.

Quelle: Björn Schaller

Schleswig. Grundlage dafür ist ein Ideenwettbewerb zur Skulpturenausstattung des Barockgartens, den unter sieben Teilnehmern aus Norddeutschland der Hamburger Landschaftskünstler Joachim Jacob gewonnen hat. Museumsdirektorin Kirsten Baumann freute sich gestern über die analytisch klaren Perspektiven für eine attraktive Neuinszenierung des Gartens, die für die terrassierte Anlage der bisherigen Dominanz der Horizontale nun vertikale Akzente entgegensetzt. Sie träumte gar von einem neuen „Eldorado für Skulpturen-Liebhaber“, wohlbemerkt mit schlüssigem Konzept und im Kontext der Schlossinsel.

 Kurator Ulrich Schneider erinnerte daran, dass vor 350 Jahren 100 bis 150 Skulpturen den von Herzog Friedrich III. geplanten und später von Herzog Christian Albrecht erweiterten Barockgarten zierten: Damit war der Neuwerkgarten nicht nur durch seine Pflanzenvielfalt in Deutschland einzigartig. Derzeit sind es ganze vier Skulpturen, und das soll sich, nicht zuletzt mit Hilfe der Kulturrings der Studien- und Fördergesellschaft in der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft schrittweise, aber strukturiert ändern. Der Kulturring war es auch, der den Ideenwettbewerb mit initiierte. „Wir wollen unseren Fokus in den nächsten Jahren vor allem auf den Barockgarten richten“, sagte gestern der Vorsitzende Martin Kayenburg. Damit betrete man Neuland – und sei um so neugieriger. Alle zwei Jahre stünden gut 50000 Euro zur Verfügung.

 Architekt und Biologe Jacob gibt für diese Aktivitäten einen Rahmen vor. Er hat mit seinen Ideen zur Weiterentwicklung und räumlichen wie skulpturalen Erschließung des Barockgartens die Jury aus Museumsleitung und Kulturring-Vertretern einhellig überzeugt. Als er gestern seine Ideen im Globushaus (einst die Friedrichsburg) präsentierte und den Blick nach oben bis hin zu einer der vier Skulpturen, der Doppelfigur von Hans Kock, richtete, wurde manches schnell nachvollziehbar. Etwa, dass dort, wo auf der obersten Ebene einst die kleine „Amalienburg“ thronte, ein neuer (landschafts-)architektonischer Blickpunkt geschaffen werden muss, um das Areal im Norden „wohlproportioniert“ abzuschließen.

 Jacob will den „Raumgenuss“ verstärken. So möchte er neben der von Skulpturen umsäumten Hauptachse mit den fünf Treppen beidseitig neue Querachsen schaffen und diese jeweils mit Kunst besetzen. Dabei schweben ihm für die Ost- und Westseite unterschiedliche Materialien und Themenstellungen vor. Die konkrete, in einigen Arealen auch temporäre Ausgestaltung könne auch über Wettbewerbe entschieden werden. Der Landschaftskünstler regt Kooperationen etwa mit der Muthesius-Kunsthochschule an. Jacob möchte zudem die Hainbuchenhecken in der Umfassung der Anlage deutlich höher wachsen lassen und über die Heckenhöhe eine neue Dynamik der ansteigenden Fläche schaffen, zugleich „Sichtfenster“ öffnen.

 Das sind spannende Perspektiven, neue Proportionen und Verbindungen, nachdem hier in den letzten Jahren die Sorge um den Buchsbaumbestand im Vordergrund stand. Ein Pilzbefall hat im Neuwerkgarten, wie in vielen anderen europäischen Parks große Schäden angerichtet. Mittlerweile wurden mit Eiben, Thymian oder auch Ilex crenata Ersatz geschaffen, um die historische Form zu wahren. Im überregionalen Austausch hofft Kurator Schneider, auch das biologische Buchs-Problem in den Griff zu bekommen.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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