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Liebe bringt das Eis zum Schmelzen

Schneekönigin im Opernhaus Liebe bringt das Eis zum Schmelzen

Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz: Das Weihnachtsmärchen im Opernhaus spricht eher die älteren Kinder, sogar Jugendliche an, während die nicht minder zauberhaften Inszenierungen der Niederdeutschen Bühne an die ganz Kleinen gerichtet sind. Eltern, Großeltern und Lehrer wissen das.

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 Das Weihnachtsmärchen im Opernhaus sprach in der Vergangenheit eher die älteren Kinder an, während die Inszenierungen der Niederdeutschen Bühne an die ganz Kleinen gerichtet sind.

Quelle: Olaf Struck

Kiel. Mit dem diesjährigen Weihnachtsmärchen Die Schneekönigin, das am Sonnabend im ausverkauften Opernhaus heftig bejubelte Premiere hatte, nun verschiebt das Theater Kiel die Altersgrenze seine Zielgruppe deutlich nach unten. Das muss kein Fehler sein.  

Und doch hat es die von den Schauspiel-Dramaturgen Annika Hartmann und Jens Paulsen zum leicht verdaulichen Kindertext herunter gebrochene Bearbeitung des vielschichtigen Kunstmärchens von Hans Christian Andersen schwer, im magisch verschneiten Bühnenbild von Christine Hielscher, die auch für die schön-schrägen Kostüme zuständig ist,  Tritt zu fassen. Es ist sicher richtig, der hochfrequenten Rezeptions-Taktung der Generation iPad dramaturgisch oder bühnenästhetisch nicht hinterher zu hecheln. Genauso richtig ist es, sich am Anfang einer Geschichte die Zeit zu nehmen, dem (jungen) Publikum die handelnden Figuren vorzustellen und den Konflikt behutsam zu entwickeln. Aber irgendwann muss die Sache dann mal in Gange kommen. Und das dauerte.

Weil ihm die Schneekönigin (Yvonne Ruprecht ist zum Niederknien als scheinbar alle weiblichen Bösewichte sämtlicher Walt Disney Filme vereinende Diva) „Kakao mit Sahne“, „haufenweise Spielzeug“ und die Option auf den Titel „Prinz von Nordland“ verspricht, trennt sich Kay (quirlig, naiv aber dabei sensibel und verletzbar gespielt von Simon Heinle) von seiner großen Schwester Gerda (als kindliche aber toughe Heldin mit viel Präsens verkörpert von Isabel Baumert). Kay folgt der eiskalten Regentin auf ihr Schloss. Er soll dort für sie nach dem fehlenden Teil des zersplitterten Spiegels suchen, der ganz Nordland in ewigem Eis erstarren lassen kann. Was zunächst aber zu Eis erstarrt ist das Herz von Kay. Also macht sich Gerda mutig auf, ihren Bruder zu befreien. Wobei sie Unterstützung vom drolligen Rentier Fridjof (Oliver E. Schönfeld begeistert als witziges Huftier mit dem Hang zu Höherem) und dem kleine Borkentroll Blonk, den Martin Borkert als sympathisch-lustigen „Hobbit-lookalike“ anlegt, erhält. Für weitere Frische und geheime Höhepunkte der Inszenierung sorgen  – zum Teil in Mehrfachrollen – die Routiniers Claudia Macht, Werner Klockow und Siegfried Jacobs.

Regisseur Jan Steinbach, der vor einem Jahr mit einer fantastischen Fassung von Alice im Wunderland brillierte, hält vor allem im ersten Teil des Stücks die Spannungskurve ziemlich flach und lässt sich viel Zeit, dem Abenteuer die Richtung zu weisen. Was dem Märchen allerdings eine wunderschöne Farbe verleiht ist die Deutlichkeit, mit der Werte wie Liebe, Loyalität, Mut, Freundschaft und Familie verhandelt werden. Diese Werte nämlich bringen jedes Eis zum Schmelzen und führen die Helden schließlich zum Erfolg. Als weitere tragende Säule des Abends erweist sich der von Bettina Rohrbeck exklusiv komponierte „Soundtrack“.   Musikalisch vielgestaltig, eingängig und unterhaltsam lohnt hier der Griff zur Hörspielfassung auf CD.

Es gibt noch Restkarten für weitere Vorstellungen. Infos und Termine auf www.theater-kiel.de

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