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Schüler helfen bei Umgestaltung des Buddenbrookhauses

Literatur Schüler helfen bei Umgestaltung des Buddenbrookhauses

Das Buddenbrookhaus zeigt Mut. Bei der Neugestaltung seiner Dauerausstellung lässt das Literaturmuseum einer Schülergruppe weitgehend freie Hand. Man nehme diese Zielgruppe sehr ernst, sagt die Museumsleiterin.

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Die Ausstellung im Buddenbrookhaus soll neu konzeptioniert werden.

Quelle: Angelika Warmuth/Archiv

Lübeck. Das Lübecker Buddenbrookhaus gestaltet seine Dauerausstellung komplett um und lässt sich dabei von Jugendlichen helfen. In dem Projekt "Literatur als Ereignis. Thomas Mann und wir" werden 15 Schüler der Gemeinschaftsschule St. Jürgen ihre Vorstellungen von einem zeitgemäßen Literaturmuseum erarbeiten. "Wir wollen die Ansprüche von Jugendlichen an unsere Dauerausstellung erkennen und bei der Neukonzeption berücksichtigen", sagte am Mittwoch der leitende Direktor der Lübecker Museen, Hans Wißkirchen. Erste Ergebnisse sollen im Juni 2016 in einer Laborausstellung über die Familie Mann im Exil vorgestellt werden.

Anlass für das Projekt ist nach Angaben Wißkirchens die geplante Erweiterung des Literaturmuseums, durch die sich die Ausstellungsfläche nahezu verdoppeln wird. Dafür hatte die Kulturstiftung 2011 mit Hilfe des Bundes das Nachbarhaus gekauft, mit dem Umbau soll voraussichtlich 2017 begonnen werden.

"Es müsste mehr Dinge zum Anschauen geben. Die aktuelle Ausstellung ist sehr textlastig", kritisieren die Jugendlichen nach einem ersten Rundgang. Die Jungen und Mädchen des 10. und 11. Jahrgangs der Gemeinschaftsschule haben noch nicht viel Erfahrung mit Literatur und mit der Familie Mann. Doch den Bücherschrank des Literaturnobelpreisträgers, von dem Wißkirchen erzählt, würden sie gerne in der Ausstellung sehen. "Der Schrank hat auf der Rückseite viele Zollstempel, die zeigen, wie häufig sein Besitzer umgezogen ist. Das finden wir sehr interessant", sagen sie.

In den nächsten zwei Jahren werden sich die Schüler einmal wöchentlich treffen und gemeinsam mit den Team des Buddenbrookhauses ein Ausstellungskonzept entwerfen. "Wir wollen mit dem Projekt zeigen, dass wir Jugendliche als Zielgruppe sehr ernst nehmen", sagte die Leiterin des Hauses, Birte Lipinski, die die Idee zu der Schülerbeteiligung hatte. Bewusst habe man sich nicht für ein Gymnasium, sondern eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe entschieden. "Wir wollten möglichst Jugendliche mit einem unverstellten Blick auf das Thema gewinnen", sagte sie. 

"Das Interesse unserer Schüler war groß", sagte Schulleiter Stefan Pabst. "Das Projekt passt gut zum Profil unserer Schule, weil es sowohl dem Gemeinwohl als auch der Persönlichkeitsentwicklung der Schüler dient", sagte Pabst. Für die Commerzbank-Stiftung, die das Vorhaben mit 100 000 Euro fördert, hat das Projekt Modellcharakter für ganz Deutschland. "In Zukunft werden Museen für nachwachsende Generationen nur noch dann relevant sein, wenn sie auf die Bedürfnisse dieser Gruppen eingehen", sagte Birgit Mandel vom Kuratorium der Stiftung. 

dpa

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