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Satire-Stilett und Komik-Keule

Sebastian Pufpaff in Kiel Satire-Stilett und Komik-Keule

Spitzen hat Sebastian Pufpaff in seinem Programm Auf Anfang im ausverkauften Saal des Metro-Kinos etliche gesetzt, aber meist eher gesellschaftspolitische. Und das Satiriker-Stilett auch mal gegen die Komiker-Keule getauscht und mit Wucht und Wonne draufgedroschen. Doch explizit politisch geht es eher selten zu.

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Mimisch und gestisch ein Füllhorn der Facetten: Sebastian Pufpaff.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Dafür am Ende umso kategorischer, da wird der Kabarettist persönlich und kommt auf „eine Herzensangelegenheit“ zu sprechen. Denn man müsse sich mal das Programm der AfD durchlesen, empfiehlt Pufpaff, das sei eine „reaktionäre Kacke“, um „Angst zu schüren“. Schlägt den Bogen zu Pegida-Demonstrationen, da könnten die, die weiter hinten stünden, vielleicht nicht sehen, was für eine Fahne da vorne wehe, aber es sei „immer eine Hakenkreuzfahne“. Sogar gute Freunde von ihm kämen „plötzlich mit so braunen Allüren um die Ecke“. Aber es gebe keine Ausländer, keine Flüchtlinge. „Es gibt nur Arschlöcher oder Nicht-Arschlöcher“, sagt Pufpaff – donnernder Applaus.

 Vorher lachen sie sich scheckig in den vollbesetzten Reihen, wischen sich dann und wann Lachtränen aus den Augenwinkeln. Pufpaffs Gag-Dichte und -Qualität ist enorm, sein Vortragsstil temporeich, sein Köcher der Gesten und Grimassen ist prall gefüllt und macht einem Louis de Funès locker Konkurrenz; Pufpaff hat sogar noch ein paar ganz grotesk fiese Fratzen mehr im Repertoire.

 Aufregen kann sich der Schnellsprecher ganz wunderbar und thematisch flächendeckend, aber sein Publikum soll am Anfang mal selber ein paar Vorschläge machen. Erst zögern sie. „Über die Olympia-Wahl?“, souffliert Pufpaff und fragt gleich mal: „Wer ist dafür?“ Kaum Meldungen. „Oh“, sagt Pufpaff. „Wer fährt VW?“ Jetzt kommen ein paar Zurufe: „Reklamationen!“, „Frauen!“. Eine ruft: „Unterwäsche für Männer!“ Pufpaff grinst: „Ja, das hat durchaus innenpolitische Relevanz.“

 Während des rund zweieinhalbstündigen Programms beweist Pufpaff so immer mal wieder sein Improvisationstalent und baut Stegreif-Nummern ein. Das trauen sich nur Könner. Einmal fragt er nach Haustieren. Perserkatze („Sie haben keine Katze, sondern einen Muff.“). Parson Jack Russel („Sind das diese ADHS-Hunde?“). Hat einer Kleintiere, „so Gekröse“? Chamäleon wird geboten. Da leuchten Pufpaffs Augen, eine Steilvorlage. „Können die wirklich so einfach ihre Farbe wechseln?“, fragt er vorfreudig die Besitzerin. „Haben Sie das mal ausprobiert? Bei MTV vor ’n Fernseher gesetzt, dann so ’n Scooter-Video, 180 Beats pro Minute?“ Die Leute biegen sich vor Lachen.

 Pufpaff doziert über den Strudelwurm („das angeblich dümmste Tier der Erde, der größte Vollpfosten, aber wie haben die das herausgefunden?“). Er erzählt, dass die meisten Bulimie-Kranken am liebsten mit ihrer Familie brechen würden und dass Arzthelferinnen „schwarze Löcher der Empathie“ seien. Fragt sich, wie man sich als Terrorist beim „IS“ bewirbt und empfiehlt: „Egal, was der Terrorismus da draußen macht, halten wir ihm Optimimus entgegen.“

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