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Riesengeige und Sommersound

Semesterabschlusskonzert im Kieler Schloss Riesengeige und Sommersound

Die imposante Streicherharfe oder „achtsaitige Riesengeige“ (Biograf Max Kalbeck), die Solo-Violine und -Violoncello im a-Moll-Doppelkonzert op. 102 von Johannes Brahms bilden, fasziniert immer wieder. Wer das eigenwillige Werk spröde findet, hört nicht richtig zu oder denkt zu sehr aus großsinfonischer Perspektive. In der klassischen Tradition der Sinfonie concertante aber wird beim reifen Meister mit musikhistorischem Horizont erst ein Schuh daraus.

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Hilfreiche Fingerzeige: Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer mit den Kieler Studenten.

Quelle: "EN, Erik Nielsen"

Kiel. Zum Semesterabschluss hatte das Collegium musicum der Kieler Universität mit dem Philharmonischen Konzertmeister Maximilian Lohse und dem Cellisten Emmanuel Wehse (Violoncello) zwei gut harmonierende Solisten geladen, ohne dass ihr Spiel dadurch langweilig gleichgeschaltet wirkte. Lohse liebt die große Geste, das strahlende Aufblühen und genüssliche Verweilen, Wehse agierte eine Spur asketischer. Beide überzeugen mit sauberer Linienführung in den vielen schwierigen Doppelgriffpassagen.

 Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer fand an zwei Abenden im Kieler Schloss mit seinen folgsamen jungen Musikern dafür einen gut gestaffelten, charismatisch wirkenden Klangmantel. Da störten dann auch partielle Probleme angesichts von Brahms’ hohen spieltechnischen Ansprüchen wenig. Auch das Andante entwickelte einen feinen Duft, weil Emmer die einfließende Thuner Sommerferien-Stimmung mit den vielen „Dolce“-Anweisungen ernst nahm. Unter Verzicht auf die unbenommen gut gelungene, wenn auch etwas norddeutsch unkarnevalistisch unter Kontrolle gehaltenen Berliozschen Ouvertüre Le Carnaval romain wäre vielleicht noch mehr wertvolle Probenzeit auf den bekannt hakeligen Finalsatz entfallen.

 Nach der Pause erfreute UMD Emmer mit einer gleich in der Einleitung partiturtreu vorwärtsstrebend flüssigen Interpretation von Robert Schumanns Vierter Symphonie. Überhaupt bewiesen die jungen Musiker unter seiner Leitung, dass sie Sinn für das lyrische Singen ihrer Stimmen haben: die Soli beispielsweise in den Holzbläsern oder von der Konzertmeisterin Luise Paulenz (in der Romanze) gelangen hörenswert. Und der nie brüchige Tutti-Strom zwang die durchgehenden vier Sätze unter einen stimmigen Bogen.

 Allenfalls mit dem „lebhaften“ Scherzo und vor allem seinem rhythmisch schwimmenden Trio-Teil tat man sich etwas schwer. Dafür strahlte das Finale trotz kleiner Pannen das Entscheidende aus: jugendliche Euphorie ohne Hektik. Riesenbeifall und Bravi waren der Dank des Publikums im gut besuchten Kieler Schloss.

  Die Studentenkantorei folgt am 10. Juli um 16.30 Uhr in der Klosterkirche Bordesholm sowie am 11. Juli um 20 Uhr in der Kieler Nikolaikirche mit Mozarts c-Moll-Messe und Bachs Magnificat in D-Dur.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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