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Seelendrama im Hexenkessel

SHMF: Macbeth Seelendrama im Hexenkessel

Zwei Ausnahme-Schauspieler und die NDR Bigband – das reicht, um auf Gut Hasselburg den Geist von Shakespeares "Macbeth" zu beschwören. Susanne Wolff die ehrgeizige Lady, die ihren Mann zu höherer Macht berufen sieht, wenn er nur erst die Konkurrenten aus dem Weg geräumt hat. Tobias Moretti der Zweifler, der sich festfährt in der Schleife von Machtgier und Gewalt.

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Österreichischer Schauspielstar Tobias Moretti zu Gast beim SHMF.

Quelle: Christian Hartmann

Hasselburg. Wie sie hinter der Band auftauchen und auf die Bühne schleichen, dann den Königsmord beraten: Er düster hadernd, sie sich in Rausch redend. Da haben sie ihre Zukunft schon hinter sich. Zum aufreibenden Seelen- und Ehedrama verdichten der Komponist und Dirigent Colin Towns und Regisseur Terry Hands Shakespeares raues Königsdrama, konzentrieren den Text auf die Passagen von Macbeth und seiner Lady und rollen die Tragödie im Zusammenspiel von Text und Musik auf.

Die rasselt und schabt, kreischt, wispert und gewittert; und überhaupt ist es ein Hexenkessel, den die NDR Bigband da anrührt. Ein wildes, kalkuliertes Chaos im Geiste des Freejazz, in dem die Rhythmen gegeneinander laufen, sich aufheben, verwandeln, ergänzen. Da zerbröselt die mittelalterliche Hofmusik im Klanggetümmel, heizt sich der Jazz auf zum blanken B-Horror-Movie-Sound, während die Lady beim Bankett mit Banquos Geist um Fassung ringt. Und über allem dröhnt das beeindruckende Trommel-Arsenal der beiden formidablen Percussionisten Marcio Doctor und Stephan Maass.

 Schneidend tönt dazu das Blech, trillert das Klavier – und wie die Hexen in Donner und Sturm Macbeth weissagen und dunkle Träume wecken, das konzentriert sich zu eindrucksvoll verdunkelten Klangbildern. Dazu loten Moretti und Wolf Shakespeares Sprache aus, lauernd, paranoid, sich zusehends in sich selbst verkapselnd. Verstörend unheimlich, wie Susanne Wolf die Lady in den Wahnsinn driften lässt, beklemmend die Erstarrung, in die Tobias Moretti (zuweilen etwas übersteuert) Macbeth treibt.

 Ein hochaufgeladenes Spiegelkabinett aus Text und Musik setzen Hands und Towns zusammen. Und wie darin Entfremdung, fortschreitenden Kontrollverlust und Seelenpein hörbar werden – das produziert großartiges Kopfkino.

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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