9 ° / 2 ° Regen

Navigation:
Ein bestialischer Clown

„Richard III.“ in Kiel Ein bestialischer Clown

In der Literaturgeschichte gilt er als Prototyp des Urbösen, denn die Titelfigur in Shakespeares „Richard III.“ ist wirklich ein schlechter Mensch. Daniel Karasek hat sich jetzt die Tragödie um die wohl schillerndste Gestalt aus den Königsdramen Shakespeares vorgeknöpft.

Voriger Artikel
Bühnenreife Geschichten
Nächster Artikel
Schiller reiste durch Klangwelten

Die Handlung der Shakespeare-Tragödie zeitlos verortet: Regisseur Daniel Karasek (re.) und Bühnenbildner Lars Peter.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Es käme nicht von Ungefähr, dass das Stück derzeit „landauf landab“ gespielt wird, so der Generalintendant. Schließlich gäbe es so etwas wie einen „Suchstab“, der für ein Stück ausschlägt, je nachdem wie die Zeiten sind. „Es gibt Putin und Trump, immer mehr Demokratien zerbrechen, Diktaturen schießen wie Pilze aus dem Boden. Da kommt so eine Entscheidung beinahe automatisch.“

Er ist sicher, mit Marko Gebbert den richtigen Mann für die Titelrolle zu haben: „Er ist ein Publikumsliebling, charmant und attraktiv – das genaue Gegenteil von Richard. Deshalb muss er allerhand Kellertüren öffnen, um sich der Figur anzunähern und gerade das macht es spannend.“ Richard ist durch seine – historisch belegten – Verwachsungen zwar optisch stigmatisiert, „doch er ist hochintelligent und hat durchaus Sexappeal. Shakespeare hat ihm tolle Sätze in den Mund gelegt und macht ihn zum bestialischen Clown, zu einem schrägen Entertainer, der mit dem Publikum kommuniziert und es in seinen Bann zieht.“

Gemeinsam mit Dramaturgin Kerstin Daiber hat der Regisseur dem opulenten Fünfakter von 1593 eine beherzte Schlankheitskur verordnet und die Strichfassung auch neu übersetzt. Auf Aktualisierungen wurde dabei bewusst verzichtet und die Handlung zeitlos verortet, was sich in den Kostümen von Claudia Spielmann genauso spiegeln wird wie in dem Bühnenbild, das Lars Peter mit stilisierten Mitteln dem Bühnenraum des Globe Theatres der Shakespearezeit nachempfunden hat. Mit Marko Gebbert und Zacharias Preen hat Karasek überdies einen Soundtrack zusammengestellt, der Tempo und Atmosphäre des ruchlosen Geschehens verstärken soll.

Schauspielhaus Kiel. Premieren Freitag/Sonnabend, 20 Uhr (Restkarten)

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3