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„Es war nicht sicher, ob es eine neue Platte gibt“

Silbermond im Radiozentrum „Es war nicht sicher, ob es eine neue Platte gibt“

„Leichtes Gepäck“ heißt das fünfte Album von Silbermond, das am 27. November erscheint. Mehr als fünf Millionen Tonträger hat das Rock-Quartett aus Bautzen bislang verkauft. Eine Erfolgsgeschichte, die aber wohl auch hätte enden können, wie Stefanie Kloß und Andreas Nowak beim Interview in Kiel verrieten.

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Sprachen über die CD „Leichtes Gepäck“: Sängerin Stefanie Kloß und Drummer Andreas Nowak.

Quelle: Manuel Weber

Wie sicher seid Ihr, dass „Leichtes Gepäck“ auf Platz eins der Charts landet?

(beide lachen) Stefanie Kloß: Ehrlich gesagt haben wir uns mit dem Gedanken noch nicht beschäftigt, weil der Weg zu dieser Platte wesentlich wichtiger ist. Denn es war ’ne Zeitlang nicht so ganz sicher, ob es noch eine nächste Silbermond-Platte geben wird.

Warum war das nicht sicher?

Andreas Nowak: Wir kennen uns seit 17 Jahren, vor zehn Jahren ist die erste Platte rausgekommen. Wir haben bei der letzten Platte gemerkt, dass es alles nicht mehr so leicht ging wie am Anfang – dieses Naive, Verspielte. Wir haben die Musik aus dem Fokus verloren, das war alles sehr verkopft. Da hat man sich schon gefragt, wie kriegt man das jetzt hin – entweder gar nicht mehr oder man muss ein paar Dinge ändern.

Das heißt, Ihr wart kurz vor dem Split?

Nowak: Split kann man nicht sagen. Es ist wie in ’ner Ehe: Wenn man merkt, das läuft nicht so richtig, muss man das durch ganz viele Gespräche mit viel Wein auf den Punkt kriegen. Das haben wir getan.

Der Titel „Leichtes Gepäck“ kommt ja nicht von ungefähr. Ging es Euch wie im gleichnamigen Song darum, Ballast abzuwerfen? Eine Metapher?

Kloß: Auf jeden Fall eine Metapher. Die ganze Platte erzählt das Aufräumen der letzten zehn Jahre. Es ging von Anfang an sehr, sehr schnell nach oben und das hat keiner von uns erwartet. Wir haben uns damals geschworen, wenn wir unser Hobby zum Beruf machen, darf das nie zur Anstrengung werden. Und das hatte sich nach „Himmel auf“ einfach nicht mehr so angefühlt.

Ich habe bis jetzt drei Stücke hören können. „B 96“ klingt melancholischer, zurückgenommener, aber „Intro (Die Mutigen)“ und „Leichtes Gepäck“ sind wieder sehr hymnisch geraten. Auch Aufbruch, eines Eurer Kernthemen, steckt wieder in diesen Songs.

Kloß: Es gibt auf jeden Fall ’ne Grundeinstellung: Wir sind nie die totalen Schwarzmaler, wir sind aber auch nicht die Partyband. Hymnisch, das bringt Thomas (Gitarrist Stolle, Red.) als Stilmittel mit rein, weil er bei uns so ’n bisschen der musikalische Häuptling ist. Als Grundnote, weil es uns einfach liegt und weil wir es mögen.

Bei „Leichtes Gepäck“ meinen manche, Ähnlichkeiten mit James Bays Hit „Hold Back The River“ ausgemacht zu haben ...

Nowak: Lustigerweise ist „Leichtes Gepäck“ schon anderthalb Jahre alt und eines der ersten Lieder, die für die Platten entstanden sind. Deswegen ist da nichts geklaut, damals kannte noch keiner James Bay.

„Die Mutigen“ soll motivieren, auch mal was zu riskieren?

Nowak: Mut ist ein großes Wort, aber auch im Kleinen sehr wichtig. Wir haben ein anderes neues Lied, „Allzu menschlich“, da geht’s darum, auch mal seine Fehler einzugestehen.

Kloß: Und es ist schon so, dass wir in den letzten zehn Jahren erlebt haben, dass der Mut auch verloren geht. Je mehr Erfolg man hat, desto mehr Erwartungen kommen auf einen zu und man hat Angst, Fehler zu machen, und dann wird man vorsichtiger.

Silbermond engagieren sich bei „Laut gegen Rechts“ und „Laut gegen Nazis“. Machen ja auch nicht alle ...

Kloß: Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit, für viele Leute da draußen nicht. Man denkt immer, wenn jemand vor dir steht und braucht ernsthaft deine Hilfe, dann schickst du ihn nicht weg. Dann denk’ ich mir, da draußen gibt’s Leute, die haben vielleicht zu Hause keinen Anstand beigebracht bekommen und zünden deswegen Flüchtlingsheime an.

Kriegt Ihr auch negative Reaktionen, etwa in den sozialen Netzwerken?

Kloß: Da müsste man ganz schön die Augen zulassen. Machst ’n Foto, da steht „Refugees Welcome!“, dann erschrickst du über das, was du da drunter liest, und denkst: Entschuldige mal, du hörst seit Jahren unsere Musik und kriegst jetzt erst mit, was wir für ’ne Einstellung haben?

Das Interview führte Thomas Bunjes.

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