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David Friedrichs Familiengeschichten

Slam-Poet in der Pumpe David Friedrichs Familiengeschichten

Selbstironisch das eigene Leben und Erleben bespiegeln, das ist ein beliebtes Sujet beim Poetry Slam und jener verwandten Formen. Auch David Friedrich, vielfach preisgekrönter Slam-Poet, bedient sich in den anderthalb Stunden vor rund 40 Gästen im Roten Salon der Pumpe gern und oft dieser Praxis.

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Slam-Poet David Friedrich gewährte seinen jungen Gästen im Roten Salon der Pumpe tiefe Einblicke ins Familienleben.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Seine Familie thematisiert der 26-jährige, in München geborene Wahlhamburger wie einen roten Faden. Da ist der mittlere Bruder, der, obwohl Veganer, zum weihnachtlichen Fondue Hasenfleisch mitbringt – aus seiner Sicht legitim, weil er den Hasen im Darknet kennengelernt und dieser ihm gestanden habe, dass er sterben wolle. Da ist sein Vater, der für die Familie aus Schrott sehr gewöhnungsbedürftige Stühle, Tische und Betten gefertigt und eine Aliensprache erfunden habe. Und da ist die Mutter, eine Heilpraktikerin, die ihre Kinder permanent mit Globuli gefüttert habe, auf Davids Ankündigung, er wolle „Kulturen und Sprachen des Vorderen Orients“, Schwerpunkt Iranistik studieren, mit „bist du bekifft?" reagiert habe.

Deutlich stärker noch sind aber Geschichten wie die letzte des Abends, die dystopisch in einer klimagewandelten Zukunft spielt und in der ein Mann mit einer kühlen Flasche „Indian Summer Pale Ale Craft Beer“ aus dem Fenster auf eine völlig verstaubte Einöde blickt und sagt: „Wir wussten, wir mussten den Schalter umlegen, aber das war gar nicht so leicht.“

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