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Effektvoll, aber immer subtil

Sommeroper Nabucco Effektvoll, aber immer subtil

 Als Heiko Mönnich auf dem Rathausplatz das mächtige Bühnengerüst passiert, hält er kurz inne: „Man muss unbedingt auch einmal dahinterschauen“, sagt der Bühnen- und Kostümbildner des diesjährigen Sommertheaters der Oper Kiel.

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Blau für „Nabucco“: Für den Rathausplatz muss Heiko Mönnich in großen Dimensionen denken.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Der Blick trifft auf Stahlgerüste en masse, auf denen hin und wieder imposante schwarze Wassertanks lagern. Ohne ihr Gewicht würde die Bühne rasch ins Wanken geraten, auf der vom 22. bis zum 30. August Giuseppe Verdis Nabucco gespielt wird.

 Für den ehemaligen leitenden Bühnenbildner des Staatstheaters Braunschweig, der seit der Spielzeit 2006/07 freischaffend arbeitet, sind Statikfragen ebenso Routine wie der künstlerische Einbezug des freien Himmels. Mönnich hat bereits zahlreiche Open-Air-Produktionen realisiert. Am Kieler Theater hat er sich allerdings bislang ausschließlich indoor einen Namen gemacht. Für Thomas Wünschs Inszenierung von Hoffmanns Erzählungen entwarf er hier 2011 die Kostüme. Danach gestaltete er auch die Ausstattungen zu La Traviata sowie Yaroslav Ivanenkos Ballett-Inszenierungen von Schwanensee und Romeo und Julia.

 „Open-Air-Projekte stellen für mich eine interessante Abwechslung dar“, bekennt Mönnich, der seine Karriere als klassischer Tänzer begann, dann aber rasch zur Bühnen- und Kostümbildnerei wechselte. „Obwohl die Bühne auf dem Rathausplatz doppelt so groß ist wie die des Opernhauses, gestaltet sich die Arbeit bei solchen Produktionen immer viel direkter. Man ist ausgestellter. Bei den Beleuchtungsproben müssen wir beispielsweise warten, bis es Nacht ist. Das hat seinen ganz eigenen Reiz.“

 Auch ansonsten gelten hinsichtlich der Bühnentechnik andere Regeln, denn das fest installierte Trickarsenal des Opernhauses lässt sich beim Sommertheater nicht zum Einsatz bringen. Für Heiko Mönnich, der sich in seiner Herangehensweise erklärtermaßen auf das Wesentliche konzentriert, stellt dies kein Problem dar: „Grundsätzlich versuche ich immer, ein Stück so klar wie möglich umzusetzen und mich nicht in Details oder unnötigen Umbauten zu verlieren. Ich will die Handlung einer Oper nicht illustrieren, sondern ein Bild finden, das für das ganze Stück steht.“

 Für Nabucco hat Mönnich die Bühne in ein intensives Blau getaucht, das an die blauen Keramiken des vorchristlichen Babylons erinnert, in dem die Handlung der Oper spielt. Eine überdimensionale, pergamentfarbene Schriftrolle, die die Bühne diagonal kreuzt, symbolisiert auf der anderen Seite die Hebräer, die in dem Stück um ihre Freiheit kämpfen. Im Verlauf der Aufführung wird diese Rolle eindrucksvoll auseinandergerissen und wieder zusammengefügt werden.

 Der gleiche Farbkontrast bestimmt auch die Kostüme: Die Babylonier tragen blaue Gewänder, die entfernt an Uniformen erinnern, bei den pergamentfarbenen Kleidern der Hebräer setzt Mönnich bewusst auf mehr Vielfalt, um ihren Individualismus zu symbolisieren, der von den Unterdrückern verneint wird. Entsprechend der gemeinsamen Herangehensweise mit Regisseur Olaf Strieb sollen die Kostüme weder heutig noch historisch wirken. Die klare Farbgebung habe auch damit zu tun, dass bei Nabucco über 100 Menschen auf der Bühne stehen und es in Anbetracht der vergleichsweise komplizierten Handlung wichtig sei, dem Zuschauer Orientierung zu bieten.

 Weil das Personal so stark raumgestaltend wirkt, sieht er seine Aufgabe auch darin, der Personenarchitektur des Stücks Raum zu geben, betont Mönnich: „Die Bühne stellt verschiedene Spielebenen bereit, die sich teilweise bewegen können. So werden räumliche Veränderungen innerhalb der Handlung teilweise über die Verstellung der Treppenaufgänge dargestellt.“ Auch hierbei bleibt er seinen Arbeitsideal treu: „Die Verwandlungen auf der Bühne werden effektvoll sein, aber auch immer subtil.“

 Giuseppe Verdi: Nabucco. Premiere. Rathausplatz Kiel, Sonnabend, 22. August (Restkarten). Karten für die Vorstellungen bis 30. Aug. unter 0431 / 901901. www.theater-kiel.de 

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