27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Opernstatist wurde zum Plakat-Nabucco

Sommertheater Kiel Opernstatist wurde zum Plakat-Nabucco

Der wirklich echte Nabucco des Nordens, der nämlich, der in der Landeshauptstadt überall auf den Sommertheater-Plakaten und riesig am Opernhaus prangt, könnte mit seinem Handschlag vermutlich mühelos eine rohe Kartoffel zerquetschen. Die in jeder Beziehung kraftvoll königliche Ausstrahlung ist die von Curtis Diers.

Voriger Artikel
Studenten-Oscar-Gewinner Çatak: "Wahnsinniges Hochgefühl"
Nächster Artikel
Die Pumpe zum Trip bespielt

Der Mann in Gold auf dem Nabucco-Plakat: Curtis Diers und Helmut Steiger, Chefmaskenbildner der Oper Kiel.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Diers ist im richtigen Leben American-Football-trainierter Bürokaufmann, aber seit 2004 häufig als Statist in diversen Rollen am Theater Kiel aktiv und rief dann auch vor einigen Monaten die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit auf den Plan. Schon in Karaseks Troubadour-Produktion auf dem Rathausplatz spielte er 2013 als Sensenmann eine auffällige stumme Rolle.

Pressesprecher Volker Walzer und Theaterfotograf Olaf Struck suchten sich noch einen versierten Verbündeten, um ihre Idee zu visualisieren, diesen Herrscher Babylons zugleich mächtig und zerbrechlich erscheinen zu lassen: Helmut Steiger, seit 2011 Chefmaskenbildner im Opernhaus und zuvor 29 Jahre am Badischen Staatstheater Karlsruhe reich geworden an Erfahrung, wusste Rat: „Da es keine Goldschminke gibt, war Blattgold das richtige Mittel.“ Da seine Frau auch noch Galeristin ist, waren ihm das hauchdünne Material, seine Varianten und Techniken des Auftrags vertraut. Man entschied sich bewusst gegen glatten Goldglanz und einigte sich auf eine “Faltenfassung“, um den Papyrusrollen im Bühnenbild von Ausstatter Heiko Mönnich ästhetisch nahe zu bleiben.

Foto: Curtis Diers, Statist an der Oper Kiel und durch American Football gestählt, stand für das Nabucco-Plakat Modell. Sein Gesicht wurde mit dafür Blattgold belegt.

Curtis Diers, Statist an der Oper Kiel und durch American Football gestählt, stand für das Nabucco-Plakat Modell. Sein Gesicht wurde mit dafür Blattgold belegt.

Quelle: Olaf Struck

„Uns war wichtig, keine Maske, sondern ein lebendig sprechendes Gesicht zeigen zu können“, erinnert sich Walzer an die Findungsphase in der werblichen Traditionsfolge des prächtigen, geheimnisumwitterten Tosca-Dekolletés und der ballettgestählten Troubadour-Männerbrust auf den Vorjahresplakaten. Und jetzt kam die gewitzte Greenscreen-Technik zum Zuge. Curtis Diers’ kahler Schädel wurde von Steiger bis zu den Schultern komplett mit grüner Schminke grundiert und dann vollständig mit Blattgold belegt. Unangenehm sei das überhaupt nicht gewesen, sagt der 45-jährige Theaterstatist, allenfalls langwierig und etwas heikel über den zunächst geschlossenen Augen und dem Mund. Der Maskenbildner löste dann einzelne Goldplättchen wieder aus dem Gesicht heraus – und damit begann die Fotosession vor einem ebenfalls grünen Hintergrund. Olaf Struck machte in jedem Stadium des Ablösungsprozesses Fotos. In der digitalen Nachbearbeitung hatte er dann die Möglichkeit, die wieder grünen Zonen im Porträt gemeinsam mit dem grünen Hintergrund durch eine leichtbewölkt-himmelblaue Struktur zu ersetzen. Und so gewann der goldene Curtis-Nabucco seine eindringlich zerbrechliche Leichtigkeit.

Helmut Steiger machen solche Aufgaben sichtlich Spaß. Auch für die maskentechnisch heikle Freiluftaufführung braucht er die richtige Kniffe: „Man kann ja nicht 120 Mitwirkende umschminken, hat aber erst Tageslicht und später Abend- sowie Scheinwerferlicht. Da muss man unbedingt nach dem Motto ‚deutlich, aber nicht zu viel’ vorgehen. Denn der allererste Eindruck von einer Figur ist immer der Entscheidende.“ Wie im richtigen Leben und auf Plakaten eben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3