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„Ich mag den Wechsel“

Mozart-Violinkonzert in Kiel „Ich mag den Wechsel“

Das Gespräch mit Soyoung Yoon verzögert sich um eine Viertelstunde, denn ihre Probe mit dem Sinfonieorchester Basel hat länger gedauert. Mit dem Schweizer Klangkörper hat die südkoreanische Geigerin allerdings kein Solokonzert eingeübt.

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Offen für den Wechsel: die koreanische Geigerin Soyoung Yoon.

Quelle: soyoungyoon.com

Kiel. Vielmehr ist sie darin seit einigen Jahren als Konzertmeisterin tätig und begleitet in dieser Rolle regelmäßig auch andere Virtuosen. Ist es für eine Musikerin, die schon so wichtige Wettbewerbe wie den Tschaikowsky Wettbewerb oder den Wieniawski Geigenwettbewerb gewann, nicht schwierig, die eigene Solokarriere mit einer Festanstellung am ersten Geigenpult zu verbinden? „Für andere Solisten wäre es vielleicht schwierig, aber für mich nicht“, antwortet Yoon. „In meiner Heimat habe ich bereits mit sieben Jahren im Orchester gespielt, deshalb fühlt es sich für mich normal an. Außerdem mag ich den Wechsel. Wenn ich auf Reisen bin, vermisse ich das Orchester. Und wenn ich im Orchester spiele, sehne ich mich nach Auftritten als Solistin.“

 Natürlich sei ihre Zeit heute knapper als zu Studienzeiten, als sie sich noch ganz auf die Erarbeitung von Solokonzerten konzentrieren konnte, bekennt die 31-Jährige. „Aber ich bin ein Mensch, der sehr gerne arbeitet und eher nervös wird, wenn er nicht so viel zu tun hat.“ Schon ihr Studium führte sie nach seinem Beginn in Seoul und Köln in die Schweiz, wo sie bei dem großen Geigenpädagogen Zakhar Bron lernte, zu dessen Schülern Klassikstars wie Vadim Repin, Daniel Hope oder auch David Garrett zählen. „Herr Bron hat mir Augen und Ohren geöffnet“, erinnert sich Yoon, die bereits mit 19 Jahren nach Europa kam. Von ihrer Professorin in Korea habe sie zuvor gelernt, was Selbstdisziplin bedeute: „Sie war wirklich beängstigend streng.“ Zakhar Bron sei dagegen derjenige gewesen, bei dem man auch einmal laut „Nein“ sagen durfte, wenn man ein Stück nicht spielen wollte. „Er ist im Laufe meines siebenjährigen Studiums bei ihm eine Vaterfigur für mich geworden. Aber auch von seinen anderen Meisterstudenten habe ich viel gelernt. Es gab unter uns stets eine positive Konkurrenz.“

 Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrungen lebt Soyoung Yoon heute gerne in der Schweiz, besucht aber auch regelmäßig ihre Heimat – unter anderem als gefeierte Solistin. Bevor sie im Mai in Seoul Vivaldis Vier Jahreszeiten aufführt, ist sie derzeit in Deutschland mit der Prague Philharmonia unterwegs und am Dienstag in Kiel im Mozart-Konzert der Musikfreunde zu erleben. Auf dem Programm steht dabei das 5. Violinkonzert des Namensgebers der Konzertreihe: „Es war eines der ersten Stücke, die ich als kleines Kind eingeübt habe, aber ich habe es bisher noch nie mit Orchester aufgeführt“, berichtet Yoon. Bei ihrer Interpretation sei es ihr vor allem wichtig, Leichtigkeit zu vermitteln. „Ich habe nichts dagegen, wenn andere Musiker Mozart mit mehr Gewicht interpretieren. Aber mir geht es hier um Geschwindigkeit, Schwung und Fröhlichkeit.“

 Tartinis Teufelstriller-Sonate dagegen zählt schon zum Stammrepertoire der Geigerin: „Ich habe sie sehr oft mit Klavier gespielt. Mit Orchester ist man nicht mehr so flexibel, aber es klingt viel schöner.“ Wer sich Yoons Interpretation des Stücks mit den Trondheim Soloists auf Youtube ansieht, wird dieser Einschätzung ohne Zögern zustimmen.

 Mozart-Konzert Di, 19. April, 20 Uhr, Nikolaikirche Kiel. Karten: 0431 / 1490124. Internet: www.musikfreunde-kiel.de

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