16 ° / 13 ° Sprühregen

Navigation:
Die große Vielfalt

Theater stellt die neue Spielzeit vor Die große Vielfalt

Mit großen romantischen Kalibern, spannenden Raritäten und drei Kieler Erstaufführungen geht die Oper Kiel die neue Saison an. „Ein sehr vielseitiges Programm“, so Dramaturgin Cordula Engelbert.

Voriger Artikel
Programm der 16. Langen Nacht der Museen wird vorgestellt
Nächster Artikel
Lange Nacht der Museen lockt mit Trommeln und Schokolade

Theater mit Elan (v.li.): Operndirektor Reinhard Linden, GMD Georg Fritzsch, Werftpark-Theaterleiterin Astrid Großgasteiger, Geschäftsführer Jörn Sturm, Generalintendant Daniel Karasek und die Ballettleiter Heather Jurgensen und Yaroslav Ivanenko.

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Kiel. Gleich zur Saisoneröffnung werden beide Pole bedient, wenn Wagners Ring mit Giacomo Meyerbeers Hugenotten einen nicht nur musikgeschichtlich gewichtigen Gegenspieler an die Seite gestellt bekommt. Das geschieht mit Blick auf das 500-jährige Reformationsjubiläum und sicher auch aktuelle Probleme, denn das einst tatsächlich meistgespielte Operndrama des 19. Jahrhunderts, dem Dramaturg Ulrich Frey „Blockbuster“-Qualitäten attestiert, thematisiert Religionskonflikte. Dazu passt die Wahl des in Frankreich lebenden Regisseurs Lukas Hemleb, der gerade die Tosca bildmächtig inszeniert hat. Für die analog prächtige, epochal wichtige Musik Meyerbeers von 1836 setzt sich Kiels Erster Kapellmeister Daniel Carlberg ein.

 Apropos Ring des Nibelungen: Sehr ungewöhnlich ist die Tatsache, dass Daniel Karasek mitten in seinem Tetralogie-Zyklus den Bühnenbildner austauscht. Zwar fiel schon im Rheingold auf, dass Norbert Ziermann einer Inspiration durch die japanische Künstlerin Chiharu Shiota nicht abgeneigt war – jetzt aber übernimmt sie von ihm die Bühnengestaltung im Siegfried gleich ganz. „Ich wollte den Ring ganz bewusst ästhetisch noch einmal anders angehen, so Karasek, der damit unmittelbar an die Zusammenarbeit bei seinem Kieler Tristan von 2014 anschließt.

 Nach dem erstaunlich erfolgreichen und künstlerisch beglückenden Feldversuch, mit Lullys Atys die Lieblingsoper des Sonnenkönigs auszugraben, wagt man sich nun noch weiter vor in die Katakomben der Musikgeschichte. Der Violinvirtuose Jean-Marie Leclair schrieb 1746 am Hofe des spanischen Thronfolgers Philipp V. eine französische Oper mit italienischem Touch über die Liebenden Skylla und Glaukos, die von der eifersüchtigen Zauberin Circe gequält werden. Die Inszenierung des spätbarocken Prachtstücks liegt wie bei Atys oder demnächst bei Glucks Orpheus in Händen der Choreografin Lucinda Childs.

 Über die gemeinsam in Kiel und Lübeck geplante Rossini-Rarität, die köstliche europäische Farce Die Reise nach Reims, und ihre außergewöhnliche Aufbereitung in Comic-Ästhetik hatten wir bereits berichtet.

 Mit Verdis bewegendem Hofnarren-Drama Rigoletto knüpft GMD Georg Fritzsch an den Troubadour an und blickt von seinem Siegfried-Debüt aus nach Süden. Die Regie führt, wie bei Rossini, ein Italiener: Fabio Ceresa, ein noch junger, an der Mailänder Scala von großen Namen wie Luca Ronconi, Patrice Chéreau oder Peter Stein geprägter Theatermann, der inzwischen in Florenz, Turin und beim Wexford Festival inszenieren durfte.

 Die Choreografin und Regisseurin Ricarda Ludigkeit soll nach Kiss me Kate! und My Fair Lady nun Andrew Lloyd Webbers argentinisch verbrämtes Musical Evita zum Erfolg führen – mit Heike Wittlieb in der Titelrolle. Der amerikanische Kapellmeister Whitney Reader steht am Pult. Sein Kollege Moritz Caffier setzt mit der Regisseurin Nele Tippelmann die Bernd-Wilden-Uraufführung Marina in die Spur. Andersens Kleine Meerjungfrau steht Pate. Und die geballte Nachwuchsenergie der Jugend-Akademien soll das im Schauspielhaus ausrichten.

 Daneben setzt das Ballett, das auch bei der Barockoper gefragt ist, eher auf Konsens. Im November zeigt Yaroslav Ivanenko in Léo Delibes’ Ballettklassiker Coppelia, wie sich die Mechanik der Puppenheldin in Tanz übersetzen lässt. Und im Frühjahr teilt sich Kiels Ballettchef mit Gastchoreograf Can Arslan einen Beatles-Abend. Gut, dass auch die Jungen Choreografen in der Salzhalle wieder zum Zuge kommen – und ihre meist zügig ausverkauften Vorstellungen nun immerhin sechs Mal zeigen dürfen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3