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Unsterbliche Freundschaft

„Spatz und Engel“ über Marlene Dietrich und Edith Piaf Unsterbliche Freundschaft

„Marlene ist über Neunzig geworden, ich habe nur schneller gelebt ...“, entfährt es Fenja Schneider und zugleich erschreckt sie sich ein wenig über die offenbar fortgeschrittene Anverwandlung ihrer Rolle. Im Opernhaus-Team ist man sich schon lange einig, dass der freche „Spatz von Paris“, die überragende französische Chanson-Ikone des 20. Jahrhunderts Edith Piaf, von der jungen Werftpark-Schauspielerin glaubhaft verkörpert und ihre legendären Lieder in Originallage stimmlich charismatisch gesungen werden.

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Fenja Schneider (als Edith Piaf, li.), Heike Wittlieb (Marlene Dietrich).

Quelle: Struck

Kiel. Die aufgeheizten Chansons Milord, Chevalier de Paris, La vie en rose oder Non, je ne regrette rien bekommen aber in der Marlene Dietrich von Heike Wittlieb ein spannendes Gegenbild. Nach wahren Begebenheiten haben die Autoren Daniel Große Boymann und Thomas Kahry Abstoßung und Anziehung der beiden Diven in einen musikalischen Schauspielabend gefasst. Am Wiener Burgtheater war Spatz und Engel ein Riesenerfolg, der sich jetzt auf der Kieler Opernhausvorbühne wiederholen soll.

 Der Regisseur Jörg Diekneite ist zuversichtlich, dass die eigenständig reduzierte Fassung funktioniert: „Mir war es wichtig, vom Revuecharakter weg zu kommen, denn man wird den beiden Persönlichkeiten damit nicht richtig gerecht. Wir zeigen sie in Konzertsituationen und haben zugleich eine Art biografischen Dokumentarfilm mit Schnitten und Rückblenden bis zurück zur Kindheit erarbeitet.“ Trotz der reduzierten Mittel freut sich Bettina Rohrbeck als musikalische Leiterin vom Klavier aus über Videoprojektionen und die Kostüme, die den Wechsel von Ort und Zeit mühelos erfahrbar machen.

 Vor der Übergröße der Ikonen haben Schneider und Wittlieb keine Angst. Heike Wittlieb hat bei Rita Streich studiert – auch so eine Ikone: „Aber die war so wunderbar normal. Und genauso bodenständig war Marlene. Wir interessieren uns bei unserer Produktion gerade für die beiden Menschen und was sie von außen zur Ikone gemacht hat. Die Dietrich ist da regelrecht reingerutscht und hat dann gekonnt damit gespielt.“ Die Songs der feschen Lola haben Kiels Kammersängerin zu ihren gar nicht opernhaften künstlerischen Wurzeln zurückgeführt. „Jetzt haben Bettina Rohrbeck und ich unendlich viel an der Lage gebastelt, sozusagen alle Tonarten durch ...“, lacht Wittlieb, freut sich aber über das im Dialogkontext und mit den Mikroport-Verstärkungen funktionierende Wohlfühl-Ergebnis. Rohrbeck wird sie häufig am Klavier begleiten, während sie sich für die Piaf-Chansons für das Akkordeon entschieden haben: „Das passt eben, hat seinen Reiz im näselnden Klang und kann auch mal den Eindruck eines Streicherteppichs zaubern.“

 Während Wittlieb die letztlich stets vom Verstand kontrollierte Berlinerin mit den preußischen Wurzeln aus gutem Hause spielt, muss Fenja Schneider beim Gossenkind Piaf den Horror eines Lebens voller Abgründe, Abstürze und Unfälle nachempfinden: „Aber bei Edith ist es für mich als Schauspielerin gerade sehr schön, dass ich mich im Stück mit ihr biografisch entwickeln kann. Sie war sich ihrer Schicksalsschläge gar nicht so bewusst, sondern hat unfassbar intensiv gelebt, geliebt und gesungen.“ Je ne regrette rien als Lebensmotto.

  Premiere am Do, 16. Juni, 19.30 Uhr. Opernhaus Kiel. Restkarten: Tel. 0431 / 901 901. www.theater-kiel.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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