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Eine Rarität, sensibel einstudiert

St.-Jürgen-Chor Eine Rarität, sensibel einstudiert

Spätromantische Schwelgereien auf dem schmalen Grat zwischen Piano und Pianissimo, dazu bei aller Legatoschmiegsamkeit kantig in den Fugeneinstiegen – der St. Jürgen-Chor begeisterte mit einer sensiblen Einstudierung des zweiten Teils der Passion op. 93 von Heinrich von Herzogenberg.

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Der St. Jürgen-Chor singt Herzogenbergs "Passion, Zweiter Teil Chafreitag" in St. Jürgen.

Quelle: Beate König

Kiel. Leiter Gerald A. Manig hatte bei der Aufführung der musikalischen Rarität von Herzogenberg (1843 - 1900) eine glückliche Hand bewiesen: Tenor Florian Sievers füllte nicht nur die Evangelisten-Partie mit einem wohldosierten, hochklassigen Mix aus Klarheit, inniger Betroffenheit und leichter Süße. Neben ihm glänzten im Passions-Abschnitt mit dem Titel Charfreitag vier junge Solisten in bestens einstudierten Partien. Bass Yannick Debus versah seinen Part als Jesus mit so großer Aufmerksamkeit für die Konsonanten, das jede Schlussnote, jeder neue Tonansatz zum Hörgenuss geriet. Milena Juhl überzeugte mit großformatigen, dabei bestens geführten Alt, Bogna Bernagiewicz’ Sopran strahlte kultiviert in jugendlicher Größe, Bariton Jan-Hendrik Jensch machte als Pilatus den Wechselgesang mit dem aufgebrachten Chor-Volk zum lebendigen Dialog.

Manig forderte seinen Chor in den im Leisetonbereich schwebenden Harmonien bis zu artikulatorischen Extremen. Der Gesamteindruck des erzählerisch starken, fast opernhaft anmutenden Oratoriums war nahezu ungetrübt. Das von Mitgliedern der Kieler Philharmoniker, Rainer-Michael Munz an der Orgel und Volkmar Zehner am Harmonium feinsinnig unterstützte Sängerensemble verschmolz mehrfach zum kirchenfüllenden Großchor mit dem Publikum: Herzogenberg hatte unter anderem Bach-Choräle zum Mitsingen für alle in sein Werk integriert – ein sehr wirkungsvoller, großartiger Effekt.

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