14 ° / 10 ° Regen

Navigation:
Spanische Trompeten und ein satter Bass

St. Nikolaus Kiel Spanische Trompeten und ein satter Bass

Regionalkantor Werner Parecker ist begeistert: „Ihre Bandbreite ist enorm gewachsen, sie klingt gigantisch – fast wie in einer Kathedrale“, schwärmt er über sein Instrument in der katholischen Propsteikirche St. Nikolaus hinter dem Alten Rathaus.

Voriger Artikel
Wise Guys setzen auf Berührung
Nächster Artikel
Roman "Unschuld" von Jonathan Franzen erscheint auf Deutsch

Regionalkantor und Komponist Werner Parecker vor den neuen „Spanischen Trompeten“ der Alfred-Führer-Orgel in der Kieler Nikolauskirche.

Quelle: Axel Nickolaus

Kiel. Die Landeshauptstadt entwickelt sich orgeltechnisch spürbar weiter. Neu ist die auf der Westempore thronende „Königin“ der Rathausstraße keineswegs, aber nach 43 Jahren frisch saniert, technisch modernisiert, von Schimmelbefall befreit, grundgereinigt, klangfarbintoniert und gut gestimmt.

 Ästhetisch ein „Mittelding zwischen Barockklarheit und Romantikwärme“ ist die 1971 mit 34 Registern eingebaute Orgel Wilhelmshavener Bauart nun überwiegend ganz die Alte. „Wir haben uns Mühe gegeben, den Geist des Orgelbauers Alfred Führer zu erhalten“, so Parecker. Viel entscheidender sei aber, dass das Instrument auch deutlich gewonnen habe. Die Kieler Firma Paschen, vertreten durch den Orgelbaumeister Roland Monczynski und Intonateur Christoph Saure, hat nämlich nicht nur die Sanierung betreut, sondern auch das Spektrum der Register erweitert. Auffällig ragen die „Spanischen Trompeten“ waagerecht aus der Front des Prospekts – und auffällig präsent klingen sie auch. Nicht sichtbar sind dagegen neue Register in den Klangfarben Gambe und Flöte. Und nur, wer hinter das Hauptwerk blickt, erahnt die wichtigste Komponente der Erweiterung: Dort ragen jetzt imposante Basspfeifen auf, die das Klangvolumen und die vollrauschende Kraft geradezu potenziert haben. Dieses „Bordun“- und „Untersatz“-Register liefert jetzt mit 16-Fuß- (eine Oktave tiefer klingend als notiert) und 32-Fuß-Pfeifen (zwei Oktaven tiefere) Töne bis weit hinab an die untere Hörgrenze.

 Über diesem satten Klangfundament gewinnt die Orgel noch durch ein zusätzliches Schwellwerk an Dynamik. Völlig neu ist zudem die Steuerzentrale für all das: Der Spieltisch mit drei Manualen bietet Parecker über die programmierbare Setzeranlage 9999 Kombinationsmöglichkeiten der Registrierung.

 100000 Euro muss der Kantor zur Finanzierung des 280000-Euro-Projekts über Spenden einwerben. Er ist da guter Hoffnung, denn der Zuspruch ist mit aktuell 61752 Euro positiv: 250 Pfeifen sind nämlich schon in Patenschaften symbolisch aufgekauft worden. Auf der eigens eingerichteten Homepage (www.st-nikolaus-orgel.de) kann man sich Töne dafür aussuchen.

 Nach der feierlichen Orgelweihe im Rahmen einer Eucharistie-Feier am kommenden Sonnabend um 18 Uhr durch Weihbischof Norbert Werbs folgt um 20 Uhr ein Konzert mit gleich drei Orgeln – in der Vierung der Kirche steht dann nicht nur die Truhenorgel, sondern auch ein zur Überbrückung der Sanierung aufgestellter Ersatz. Parecker führt das Hauptinstrument mit den Kollegen Norbert Hoppermann, Heiner Arden und Thies Albert im ersten Konzertteil vor. Danach bindet er die drei Orgeln in die Uraufführung seines eigens für St. Nikolaus komponierten „Mystischen Oratoriums“ Tabula Smaragdina ein, das mit Kieler Philharmonikern, dem Propsteichor und der Sopranistin Susan Gouthro realisiert wird. Es ist in seinen vier Sätzen den Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer gewidmet und spürt im Geiste der göttlichen Figur Hermes Trismegistos’ schöpfungsgeschichtlichen Gedanken nach. Damit die gleichsam neugeborene Orgel dabei im besten Licht erscheint, ist vom Filmmusik-Fan Parecker eine flankierende Lightshow geplant.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3