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Parodien als Paradedisziplin

Ingo Appelt im Metro-Kino Parodien als Paradedisziplin

Ein knapp dreistündiges Gagfeuerwerk zündete Ingo Appelt am Sonntag im Kieler Metro-Kino. Mit seinem Programm Besser ist besser witzelte, stichelte und parodierte Appelt sich gekonnt durch den Abend und begeisterte den fast vollbesetzten Saal.

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Große Themenvielfalt: Ingo Appelt im Metro-Kino.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Mit einem fulminanten Ritt durch die politischen Geschehnisse der vergangenen Monate legte Appelt einen soliden Start hin. Dabei schwang sich das nicht mehr ganz so junge enfant terrible der Stand-up-Comedy zwischen AfD, der deutschen Meckermentalität und Skandalen der vergangenen Monate fast zu kabarettistischen Leistungen auf. Gespickt mit verschiedenen Dialekten – die Appelt perfekt beherrscht – und Anekdoten aus seiner wilden Vergangenheit, hatte er das Publikum bereits in den ersten Minuten in der Hand. Zugegeben: Die herben Sprüche und sexuellen Anspielungen, die bei einer Ingo Appelt Show irgendwie dazugehören, muss man mögen. So deutete er die Merkel-Raute als weibliches Phallussymbol um. „Leck mich“, wolle sie Seehofer signalisieren.

 Frauen sind das bessere Geschlecht. Das machte der erfahrene Comedian bereits in der ersten Hälfte des Abends immer wieder klar. Sehr zur Freude des weiblichen Publikums. Dann folgten Geschlechtervergleiche à la Mario Barth, die beim Publikum mit angemessenem Applaus und Lachen honoriert wurden. Der selbsternannte Martin Rütter der Männlichkeit wolle seinem Geschlecht helfen, ihre Frauen glücklicher zu machen. Das ist im Prinzip kein schlechtes Ziel. Enttäuschend ist nur, dass der einzige Anreiz dazu auf den üblichen Pipi-Kaka-Humor runtergebrochen wurde. Denn laut Appelt wollen Männer, die an diesem Abend immer wieder als primitives Geschlecht dargestellt wurden, nur eines: Zum Schuss kommen. Wenn sie sich jetzt fragen, wo sie das schon einmal gehört haben, lautet die Antwort: Fast überall. Denn es ist wahrlich keine bahnbrechend neue Erfindung, die vermeintlich unüberbrückbaren Differenzen zwischen Mann und Frau zum Thema eines Comedy-Programms zu machen.

 Das tatsächliche Highlight des Programms waren Appelts Parodien. Als Udo Lindenberg, Til Schweiger oder Angela Merkel setzte sich der Quatschmacher gekonnt in Szene. Für Jauchzen und hysterische Begeisterung sorgte die Darstellung von Herbert Grönemeyer am Klavier. Aber auch Geschichten aus dem Nähkästchen über seine Comedy-Kollegen Dieter Nuhr und Mario Barth gehörten zu den besten Momenten des Abends. „Wenn Dieter Nuhr als Hassprediger gilt, dann liegt die Latte wirklich tief.“, sagte Appelt und ergänzte: „Die alte Flüstertüte.“ Der Saal tobte.

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