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Sprache, Ton, Charakter

Stefan Moster arbeitet mit Übersetzer-Kollegen Sprache, Ton, Charakter

Eine Edelfeder ist im Nordkolleg zu Gast: Stefan Moster, Autor und Übersetzer, ist mit einem halben Dutzend Nachwuchsübersetzern dem Sound des Finnischen auf der Spur.

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Autor und Übersetzer Stefan Moster tauchte mit Nachwuchsübersetzern in die Welt der Sprache ein: „Der Sound vom Finnischen ins Deutsche muss erhalten bleiben“.

Quelle: Beate König

Rendsburg. Er leitet die erste deutsch-finnischen Übersetzerwerkstatt für literarische Texte. Die Deutsch-Finnische Gesellschaft Schleswig-Holstein (DFG) machte den Kursus durch eine finanzielle Beteiligung möglich, erklärte Britta Lange vom Nordkolleg.

 Der Stapel mit Mosters Referenzen ist meterdick: 100 Bücher übersetzte der Berliner, der lange Jahre in Helsinki und München lebte, bislang. Zuletzt erschien 2016 sein Roman Neringa. Als Mitte der 90er Jahre das Interesse an Literatur aus Skandinavien wuchs, richtete sich der Fokus auch auf Finnland, erzählt Moster in der Mittagspause. „Damals waren finnische Bücher eine Rarität.“ Inzwischen entscheiden die Gutachten, die der Sprachwandler wie alle renommierten Übersetzer im Auftrag deutscher Verlage schreibt, ob ein finnischer Autor auf deutsch zu lesen ist.

 Übersetzen, das macht jeder Hinweis Mosters zu den sechs Auszügen aus Romanen deutlich, die Übersetzer aus Köln, Hamburg und Kiel mitgebracht haben, ist eine Kunst, die mit einer Positionsbestimmung des eigenen Hintergrunds beginnt: „Man muss in eine Art dauerndem Polylog mit sich treten, sich ständig hinterfragen.“ Ein Übersetzer sollte die Kultur des Landes und den Alltag aus Besuchen kennen, sich in die Sprache mit Romanen, Trashliteratur, Zeitungsartikeln, übers Radio und Fernsehen vertiefen. Je größer das Wissen, desto präziser lassen sich die Sprachebenen im Text erkennen.

 Mosters Impulse für den Nachwuchs sind handfest: An den komplexen Satzkonstruktionen des Finnischen im Deutschen klebenbleiben, um die Formulierungskunst des Autors zu zeigen? Moster rät dringend ab. „Der Text muss für sich stehen, deutsche Leser mitnehmen.“ Deutsche Worte erfinden, wenn es das Original vorgibt, ist dagegen erlaubt. Sprache, Ton und Charakter des Originals sollen transportiert werden. Den Königsweg beschreitet ein Übersetzer, wenn er Lakonik und Ironie in der deutschen Version zum Schimmern bringt.

 Den Autor anrufen, wenn es hakt? „Das ist ultima ratio.“ Landestypische Eigenheiten im Text für deutsche Leser extra erklären? „Vieles erklärt sich von selbst. Leser wollen ja auch Neues entdecken“, sagt Moster. Mit einem Glossar, das speziell typisch Finnisches erläutert, arbeitete er bislang nur einmal.

 Als Konkurrenz auf dem Markt sieht Moster die jungen Übersetzer nicht. Gemeinsam feilten sie mit gebeugten Köpfen an jedem Wort. „So denke ich nicht. Alles, was dem Finnischen nützt, ist richtig. Es muss ja auch weitergehen. Es braucht lange, bis man als Übersetzer Fuß gefasst hat.“ Ein Seminar ist der beste Weg, weiß Moster: „Es hilft sehr, konkrete Reaktionen auf Übersetzungen zu bekommen.“ Theoretisch lernen lasse sich die Kunst der stimmigen Texttransformation nicht. „Übersetzen lernt man beim Übersetzen.“

 Arbeitet Moster als Übersetzer, stellt er den Autor in sich zurück und seine sprachlichen Fähigkeiten in den Dienst des Textes. Durch die Auseinandersetzung mit den Stilen der anderen lernte Moster für sich: „Ich habe durchs Übersetzen verschiedene Register, Tonlagen und Erzählweisen kennen gelernt, die ich in meinen Romanen einsetzen kann.“

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