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Das Leben lieber lässig nehmen

Stefan Stoppok Das Leben lieber lässig nehmen

Er habe schon mal darüber nachgedacht, ein Album nur mit Zwischenrufen zu machen, verrät Stefan Stoppok den Gästen in der gut gefüllten Kieler Pumpe. Auf Vinyl, klar. Gerade hat da wieder eine in der Menge einen Wunschtitel rausgehauen.

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Mit originell gemustertem Gewand (inklusive der Schuhe!) setzte Stoppok wieder ein modisch-mutiges Statement und bewies auf vielen Gitarren seine Klasse.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Aber Stoppok hat seinen eigenen Kopf und in der Hemdtasche einen kleinen Zettel. Da steht drauf, was der Singer/Songwriter so zu spielen gedenkt. Ansonsten bringt er aus seinem reichen Repertoire, worauf er Bock hat. Und in Kiel hat er Bock.

Obwohl Stoppok hörbar erkältet ist. Zwei Konzerte habe er schon canceln müssen die Tage, „aber Kiel, das kann ich nicht absagen. Man kann es auch anders sagen: Nach Kiel kann man auch krank hinkommen“. Ein trockener Humor, da paart sich der Geburtsort Hamburg mit dem Aufwachsort Essen. Der blitzt häufig auf an diesem Abend. Einer der guten Gründe, ein Stoppok-Konzert nicht zu verpassen.

 Ein anderer sind natürlich die Songs. Meist kerniger, grooviger Rock, gerne bluesig grundiert. Dazu komplett unpeinliche Texte, schräg und witzig, wenn’s passt, oder auch kritisch oder auch mal ein bisschen sentimental. Das Leben halt. Wenn man es nicht so bierernst nimmt, sondern souverän und locker. Wie Stoppok. Etwa dann, wenn die Technik streikt. „Irgendwas knackt da, hört ihr das?“, fragt er nach dem dritten Stück Auf festem Grund und trampelt noch ein paarmal nachdrücklich auf eine der beiden Fußmaschinen für seine Cajon, dass es knackt. „Die Wirbelsäule!“, ruft einer. Das überhört der 59-Jährige geflissentlich. Ein Techniker kommt auf die Bühne, tauscht das defekte Kabel aus, während der Sänger mit dem Publikum herumulkt, und weiter geht’s.

 Ein weiterer guter Grund ist Stoppoks spieltechnische Beschlagenheit. Die vielen Akustik-Gitarren, von der abgeschraddelten Sechssaitigen bis zur edlen Zwölfsaitigen, sind keine Deko, sie werden fast alle nach und nach gespielt, wie es es der Song erfordert. Es wird gepickt, geschlagen, auch mal gezupft und einmal lässt Stoppok die Metallhülse drübersliden. Das alles ist von einer derart lässigen Brillanz, dass es nicht nur für die exquisiten Soli herzhaften Szenenapplaus setzt, sondern einmal bei einem im Pulk ein lautes „Geil!“ von Herzen kommt.

 „Ich will ein Kind von dir!“, fordert kurz vor der infektbedingten Konzertpause hinten eine Frau, die sich als besonders eifrige Zwischenruferin betätigt. „Ach, das schon wieder“, stöhnt Stoppok, demonstrativ übersättigt. Die Leute sollen lieber mitsingen und ihn, den Maladen, stimmlich unterstützen, wenn sie Bock drauf hätten. Das machen sie gern, viele auch ungefragt, ob zu Viel zu schön, Ärger, Cool durch Zufall oder La Kompostella. Aus leider immer und gerade wieder sehr aktuellem Anlass darf natürlich auch der Anti-Neonazi-Song Denk da lieber nochmal drüber nach nicht fehlen. Wo bloß all die Dummheit herkomme, hatte sich Stoppok vor dem Stück gefragt und empfohlen: „Überlasst den Kampf gegen die Idioten nicht den Idioten – wie Til Schweiger. Denn Dummheit kann sich nicht gegen Dummheit behaupten.“

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